10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Jonathan Galassi  [ USA ]

Biographie

Gast des ilb 2016.

Bibliographie

Morning Run

Poems

Paris Review Editions/British American Pub.

New York, 1988

North Street

Poems

HarperCollins

New York, 2000

Giacomo Leopardi

Canti

[Ü]

Farrar, Straus & Giroux

New York, 2010

Left-Handed

Poems

Knopf

New York, 2012

Die Muse

S. Fischer

Frankfurt a. M., 2016

[Ü: Uljana Wolf]

Jonathan Galassi wurde 1949 in Seattle, Washington, geboren. Sein Interesse an Poesie, dem Schreiben und Literatur erwachte während seines Besuchs der Phillips Exeter Academy, dem 1971 ein Abschluss am Harvard College folgte. Als Marshall-Stipendiat am Christ’s College, Cambridge, fasste er dann den Entschluss, eine Karriere im Verlagswesen anzustreben. Diese begann bei Houghton Mifflin in Boston, führte ihn zu Random House in New York und dort schließlich 1985 zu Farrar, Straus & Giroux. Nachdem er damals bereits als Cheflektor eingestellt worden war, bekleidet Galassi heute das Amt des Präsidenten und Verleger dieses Hauses. Bei Werkausgaben von italienischen Poeten wie Giacomo Leopardi und Eugenio trat Galassi auch als Übersetzer in Erscheinung.

Eigene Gedichte veröffentlichte Galassi zum einen in Literaturmagazinen und Zeitschriften wie »Threepenny Review«, »The Nation« und »The New Yorker«, zum anderen in mehreren Buchausgaben: »Morning Run« (1988; Ü: Morgenlauf), »North Street« (2000; Ü: Nordstraße) und »Left-Handed« (2012; Ü: Linkshändig). Die »New York Times« schrieb, Galassis Gedichte zeichneten sich durch ihre Direktheit aus und seien hinsichtlich ihrer fachlichen Meisterschaft und fehlenden Überheblichkeit bemerkenswert. 2015 veröffentlichte Galassi mit »Muse« (dt. »Die Muse«, 2016) seinen ersten Roman. Der Autor verbindet darin seine Liebe zur Literatur mit seinen Erfahrungen aus langjähriger Verlagsarbeit. Im New York der sechziger Jahre, einer goldenen Ära für gedruckte Bücher, seien die magischen Wörter in Poesie und Prosa, so schreibt Galassi, für die Leser wie Alkohol, Parfüm, Sex und Ruhm gewesen. Der Lektor eines kleinen New Yorker Verlags ist fasziniert von der Autorin Ida Perkins, die ihre Leser mit kühnen Versen in Atem hält. Da seine eigene Existenz im Vergleich zu der der literarischen Größen, welche er betreut, an Bedeutung zu verblassen scheint, macht sich der Protagonist des Romans auf die Suche nach Perkins, die ihm schließlich ihr größtes Geheimnis anvertraut, das die Buchwelt auf den Kopf stellen wird. Eine Kritik in »The New Yorker« kam zu dem Schluss, das Buch biete nicht nur einen Blick hinter die Kulissen des Literaturbetriebs, sondern sei auch von dem Glauben beseelt, dass Geschriebenes die Kraft habe, ein Leben zu verändern. Allem nostalgischen Staunen zum Trotz hält Galassi durch seine satirische Verve aber immer Distanz und beschreibt auch die Kehrseiten des Verlegens.

Galassi war zehn Jahre lang Redakteur für Poesie bei »The Paris Review« und ist Ehrenvorsitzender der Akademie Amerikanischer Poeten. 2008 erhielt er den Maxwell E. Perkins Award für seine Rolle als Lektor, Herausgeber und Agent bei der Entdeckung sowie Förderung von Schriftstellerinnen und Schriftstellern in den Vereinigten Staaten. Galassi lebt in Brooklyn.

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