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Guojing Jing Guo  [ China ]

Biographie

Portrait Guojing
© privat

Gast des ilb 2016.

Bibliographie

The Only Child

Schwartz & Wade

New York, 2015

Guojing (Jing Guo) wurde 1983 in der chinesischen Provinz Shanxi geboren und interessierte sich seit ihrem zehnten Lebensjahr für Kunst. Nach einem Abschluss an der Tianjin Academy of Fine Arts arbeitete sie als Konzeptgrafikerin in der Gamesbranche sowie für animierte Fernsehformate.

Als Illustratorin veröffentlichte Guojing 2015 ihr erstes Bilderbuch »The Only Child« (Ü: Das einzige Kind). Laut einem kurzen Vorwort der Autorin erwuchs die ansonsten textlose, 105~Seiten umfassende Graphic Novel aus ihren eigenen Erinnerungen an Isolation und Einsamkeit, da sie selbst zur Zeit der Ein-Kind-Politik in China aufwuchs, die erst im Oktober~2015 offiziell nach 35~Jahren beendet wurde. Das Buch handelt von einem kleinen Mädchen, das sein Zuhause verlässt, ohne den Eltern Bescheid zu sagen, um seine Großmutter zu besuchen. Als es sich dabei im Wald verirrt, trifft das Mädchen auf einen mächtigen Hirsch, der es auf dem Weg nach Hause durch eine mythische Welt führt, in der magische Kreaturen als Spielkameraden und gefährliche Abenteuer auf die beiden warten. Nach Aussage der Autorin inspirierte sie ein als Kind gelesenes Buch über eine Meerjungfrau, die sich aus Liebe opferte, dazu, in ihrer Kunst der Idee nachzugehen, dass Liebe die stärkste Kraft der Welt ist. In »The Only Child« verkörpert diese Idee der Hirsch, der das Mädchen nicht nur begleitet, sondern auch beschützt. Ihre alle Grautöne ausnutzenden, digital überarbeiteten Kohlezeichnungen, die an alte, zum Leben erwachte Fotos erinnern und dabei sinnliche Erfahrungen wie die Wärme der Nähe des Hirsches visuell andeuten, beschreibt Guojing selbst als einfach, weich und emotional, da sie ihre Gefühle in jedes Bild einfließen lasse. Während eine Rezension von Christian Endres auf Comic.de die Graphic Novel stilistisch und inhaltlich als Aufeinandertreffen der »Optik von Shaun Tans surrealem Meisterwerk ›Ein neues Land‹ […] auf den Geist der Anime-Märchen von Hayao Miyazaki und des Studio Gibli« charakterisiert, ziehen andere Kritiken Vergleiche zu Raymond Briggs ebenfalls wortlosem Wintermärchen »Der Schneemann« und sehen auch »The Only Child« auf dem Weg, ein moderner Klassiker zu werden. »USA Today« sprach von einem fesselnden und melancholischen Debüt eines wichtigen neuen Talentes sowie von einem zeitlosen Buch voller Wunder, Traurigkeit und wilder Ausbrüche der Fantasie.

»The Only Child« erregte nicht nur große Aufmerksamkeit in China, sondern wurde auch international mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, u.~a. 2015 als eines der besten Bilderbücher für Kinder in Jahreslisten von »Publishers Weekly«, »Wall Street Journal« und der »New York Times«. Zuletzt wurde es 2016 von der amerikanischen Association for Library Service to Children als herausragendes Werk gewürdigt und für den Eisner Award nominiert. Guojing arbeitet inzwischen Vollzeit an neuen Projekten. Sie lebt in Singapur und der Provinz Shanxi.

[http://www.guojingart.tumblr.com/]

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