10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Carll Cneut  [ Belgien ]

Biographie

Portrait Cneut
© Simon Wardenier

Gast des ilb 2016.

Bibliographie

Willy

[Text: Geert De Kockere]

De Eenhoorn

Wielsbeke, 1999

Die wundersame Liebesgeschichte des Mister Morf

Sauerländer

Düsseldorf, 2003

[Ü: Iris Praìl]

Monster, friss mich nicht!

[Text: Carl Norac]

Residenz

St. Pölten/Salzburg, 2006

[Ü: Pauline Katz]

Das Geheimnis der Nachtigall

[Text: Peter Verhelst]

Boje

Köln, 2009

[Ü: Mirjam Pressler]

Der goldene Käfig

[Text: Anna Castagnoli]

Bohem Press

Zürich, 2015

[Ü: Ulrike Schimmig]

Der flämische Bilderbuchkünstler Carll Cneut wurde 1969 an der belgisch-französischen Grenze geboren. Er studierte Grafikdesign an der St.-Lukas-Kunsthochschule in Gent, wo er auch heute noch lebt. Zunächst arbeitete er in einer Werbeagentur, bevor er 1996 mit »Varkentjes van Marsepein« (Ü: Marzipanschweinchen) sein erstes Bilderbuch veröffentlicht.

»Meine Bilder setzen sich im Unsichtbaren fort. Meine Leser haben die Freiheit, sie in ihrem Kopf zu vervollständigen. Das bringt die Erwachsenen oft durcheinander, aber niemals die Kinder«, sagt Carll Cneut über seine gefeierten Illustrationen. So zeigt er etwa in seinem Bilderbuch »Willy« (1999) auf der ersten Seite nur ein kleines Stück von einem Rüssel und zwei Elefantenfüße und überlässt es dem Betrachter, das Bild zu Ende zu denken. 2002 gab er mit »The Amazing Love Story of Mr. Morf« (dt. »Die wundersame Liebesgeschichte des Mister Morf«, 2003) sein Debüt als Autor. Cneut erzählt darin von einem Zirkushund und berühmten Seiltänzer, der beschließt, den einsamen Ruhm in der Manege hinter sich zu lassen und die Liebe zu suchen. Wie auch in anderen Werken bestechen die detailverliebten Illustrationen durch eine besondere Patina und wecken Assoziationen zu kostbaren Stickereien, Textilien oder Wandteppichen. Sie erinnern an die Werke alter Meister und sind zugleich modern und gegenwärtig. Cneut ist es wichtig, dass seine Figuren eine sichtbare Vergangenheit haben, genauso wichtig wie ihre Kleider und ihre Umgebung. Seine Illustrationen entstehen daher aus mehreren Schichten mit Acrylfarben, Pastellkreiden, Blattgold oder Kaffee. 2005 erregte Cneuts Neuinterpretation des Gemäldes »Dulle Griet« (2005) von Pieter Bruegel dem Älteren Aufsehen. Gemeinsam mit dem Autor Geert De Kockere erzählt er von der rasenden Griet, die in die Hölle hinabsteigt und den Teufel um seine Hand bittet~– ein herausforderndes Bilderbuch, das weit über die Grenzen des Kinderbuchs hinausweist. Auch hier bevorzugt Cneut Bildkompositionen von großer Spannung: »Mal schafft er betont leere Flächen als Assoziationsräume, mal drängt er seine Figuren so dicht zusammen, dass kein Zwischenraum mehr bleibt. So durchdringen sich bildnerische und emotionale Elemente auf spürbare Weise« (Süddeutsche Zeitung). Auf Deutsch erschien zuletzt das Bilderbuch »Der goldene Käfig« (2015), in dem eine verwöhnte Prinzessin, die alles bekommt, was sie haben möchte, eines Tages einen sprechenden Vogel begehrt. Das dramatisch-poetische Märchen der Autorin Anna Castagnoli, das sich mit den Themen Macht und Obsession, aber auch Veränderung und Geduld auseinandersetzt, tritt dabei von der ersten Seite an in einen Dialog mit Cneuts intensiven Bildwelten.

Seit 2005 unterrichtet der Illustrator an der Academy of Fine Arts in Gent. Seine Werke wurden international geehrt, u.~a. mit der Goldenen Plakette von Bratislava (2003 und 2005) sowie dem Zilveren Penseel (2003 und 2010).

[http://www.facebook.com/carllcneutillustrator/]

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