10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Alissa Ganijewa  [ Russland ]

Biographie

Gast des ilb 2016.

Bibliographie

Salam, Dalgat!

In: Das schönste Proletariat der Welt

Suhrkamp

Berlin, 2011

[Ü: Christiane Körner]

Die russische Mauer

Suhrkamp

Berlin, 2014

[Ü: Christiane Körner]

Ženich i nevesta

AST

Moskau, 2015

Alissa Ganijewa wurde 1985 in Moskau geboren und wuchs in Machatschkala, der Hauptstadt der Kaukasusrepublik Dagestan, auf. Die Autorin und Literaturkritikerin, deren eigenwillige Stimme seit einigen Jahren in der russischen Kulturszene für Aufruhr sorgt, studierte am renommierten Moskauer Maxim-Gorki-Literaturinstitut. Bekannt ist Ganijewa vor allem für ihre schonungslose Darstellung der aktuellen Entwicklungen in ihrem Heimatland. In ihrer Prosa zeichnet sie das Bild einer verarmten, unter der Knute Moskaus stehenden Republik im Spannungsfeld zwischen sowjetischer Tradition und einem zunehmend radikaler werdenden Islamismus.

Nachdem Ganijewa bereits als Studentin mit mehreren Texten in russischen Zeitschriften und Tageszeitungen auf sich aufmerksam gemacht hatte, erhielt sie 2008 den Preis für unzeitgemäße Gedanken, eine Auszeichnung ihrer Hochschule, die ihre Rolle als kritische Autorin und Journalistin würdigt. 2010 erschien ihre Debüterzählung »Salam tebe, Dalgat!« (dt. »Salam, Dalgat!«, in: »Das schönste Proletariat der Welt«, 2011), die sie bereits ein Jahr zuvor unter einem männlichen Pseudonym für einen Wettbewerb eingereicht hatte. In dieser scharfsinnigen Analyse Dagestaner Zustände spaziert der Protagonist Dalgat durch Machatschkala und zeichnet dabei ein solch erschreckend realistisches Porträt der Stadt, dass die Autorin damit heftige Reaktionen, aber auch wachsendes internationales Interesse hervorrief. Als »Ereignis in der russischen Gegenwartsliteratur« (»Neue Zürcher Zeitung«) wurde schließlich Ganijewas erster, bereits in mehrere Sprachen übersetzter Roman »Prazdničnaja gora« (2012; dt. »Die russische Mauer«, 2014) gewertet. Der vielstimmige, collagenartige Prosatext entwirft ein apokalyptisches Szenario: Während Russland angeblich eine Mauer bauen will, um den Kaukasus vom Rest des Landes abzutrennen, spitzen sich in Machatschkala die Konflikte zwischen verschiedenen islamischen Gruppierungen mehr und mehr zu. Schamil, ein junger Lebemann, hat zwar seinen Job verloren, trotzdem findet er sich im allgemeinen Chaos zunächst gut zurecht. Selbst als seine Verlobte einem salafistischen Kämpfer in die Berge folgt und es die ersten Todesopfer gibt, kann er sich nicht entschließen, der drohenden Eskalation zu entfliehen. Die Konsequenzen seines Zögerns deutet der Roman am Ende nur an. 2015 erschien Ganijewas zweiter Roman »Ženich i nevesta« (Ü: Der Bräutigam und die Braut), der sich ebenfalls mit dem Verhältnis zwischen Russland und dem Kaukasus auseinandersetzt.

Für ihre Arbeit erhielt die Autorin mehrere Auszeichnungen, u.~a. den Preis der Zeitschrift »Oktjabr« für ihre Literaturkritik sowie den Debüt-Preis des Wettbewerbs Große Prosa für »Salam tebe, Dalgat!« (2009). 2010 war sie Finalistin beim Literaturpreis Juri Pawlowitsch Kasakow. Alissa Ganijewa lebt in Moskau.

[http://alisagan.livejournal.com/]

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