10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Alexander Ilitschewski  [ Russland, Israel ]

Biographie

Gast des ilb 2016.

Bibliographie

Anarchisty

Astrel

Moskau, 2011

Orfiki

AST

Moskau, 2013

Sprava nalevo

AST

Moskau, 2015

Matisse

Matthes & Seitz

Berlin, 2015

[Ü: Friederike Meltendorf/Valerie Engler]

Der Perser

Suhrkamp

Berlin, 2016

[Ü: Andreas Tretner]

Alexander Wiktorowitsch Ilitschewski wurde 1970 in Sumgait, Aserbaidschan, geboren, wuchs in Moskau auf und studierte dort bis 1993 Mathematik und Theoretische Physik an der Lomonossow-Universität. Danach unterrichtete er am Moskauer Physikalisch-Technischen Institut sowie an Hochschulen in Israel und den Vereinigten Staaten, bevor Ilitschewski 1998 nach Russland zurückkehrte. Seit 2013 lebt er in Tel Aviv, nachdem zuvor bereits seine Urgroßmutter nach Israel ausgewandert war.

Literarisch trat Ilitschewski in den 1990er Jahren in Erscheinung und beschäftigte sich in seinen Romanen teilweise auch mit den aktuellen Verhältnissen in Russland. Eine Kritik in der »Neuen Zürcher Zeitung« pries entsprechend sein 2007 erstmals auf Deutsch erschienenes und 2015 neu aufgelegtes Buch »Matisse« als wichtigsten russischen Wenderoman neben Wladimir Makanins »Underground« (1998). Ein Bildband über die Werke des titelgebenden französischen Malers wird in Ilitschewskis Roman zum Begleiter einer Obdachlosen und ist zugleich »das Motiv für eine Gegenwelt zur düsteren Realität« (Bayern 2). Auch die eigentliche Hauptfigur, der Physiker Michail Koroljow, der die Unbehausten, die in dem Eingang vor seinem Haus einen Schlafplatz suchen, nicht vertreibt, erfährt auf seine Weise die Unsicherheit in der bereits auseinanderfallenden Sowjetunion. Er verliert sich in Erinnerungen, die »ihn immer wieder gefangen nehmen, sodass es ihm schwerfällt, wieder in die Wirklichkeit zurückzufinden« (Bayern 2), und begibt sich auch auf eine Reise zu sich selbst. 2007 erhielt Ilitschewski für diesen Roman den russischen Booker-Preis. 2010 folgte der Bolschaja-Kniga-Preis für die Großerzählung »Pers« (2009; dt. »Der Perser«, 2010/2016). Im Rahmen einer Dienstreise besucht hier der russische Geologe Ilja, der in der chaotischen Wendezeit aus Moskau nach Kalifornien ausgewandert ist, die Halbinsel Abșeron am Kaspischen Meer. Das kulturelle Erbe dieser Landschaft, in der einst die Weltreligionen zusammenfanden, verkörpert im Roman der gebürtige Perser Hașem, ein alter Schulfreund von Ilja, der als Künstler sowie tanzender Derwisch die rationale Weltsicht des Wissenschaftlers durch eine natürliche Spiritualität infrage stellt. Eine Kritik in der »Süddeutschen Zeitung« sah daher in dem Roman auch Ilitschewskis Versuch, die Trennung zwischen Poesie und Wissenschaft zu überwinden.

Auch als Lyriker reüssierte der russische Schriftsteller, zudem schreibt er regelmäßig Beiträge in russischen Zeitschriften wie »Nowy Mir«, »Kommentarni« und »Sojus Pisatelej«, aber auch auf dem russischen populärwissenschaftlichen Portal »Technologija-ZOO«.

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