10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Aleš Šteger  [ Slowenien ]

Biographie

Steger Portrait
© Jože Suhadonik

Gast des ilb 2016.

Bibliographie

Kaschmir

Edition Korrespondenzen

Wien, 2001

[Ü: Gerhard Falkner/Aleš Šteger]

Buch der Dinge

Suhrkamp

Frankfurt a. M., 2006

[Ü: Urška P. Černe/Matthias Göritz]

Preußenpark

Berliner Skizzen

Suhrkamp

Frankfurt a. M., 2009

[Ü: Ann Catrin Apstein-Müller]

Buch der Körper

Schöffling & Co.

Frankfurt a. M., 2012

[Ü: Matthias Göritz]

Archiv der toten Seelen

Schöffling & Co.

Frankfurt a. M., 2016

[Ü: Matthias Göritz]

Aleš Šteger wurde 1973 in Ptuj im damaligen Jugoslawien geboren und studierte Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaften an der Universität in Ljubljana, wo er heute als Lektor bei dem Verlag Študentska založba arbeitet

Šteger gilt als einer der wichtigsten slowenischer Schriftsteller seiner Generation und erlangte 1997 mit seinem Lyrikband »Kašmir« (dt. »Kaschmir«, 2001) auch international Beachtung. Zu den Texten in Štegers vierter Gedichtsammlung »Knjiga reči« (2005; dt. »Buch der Dinge«, 2006) bemerkte der Literaturkritiker Nico Bleutge, sie seien »kleine Balancestücke, die ihre Wörter immer wieder in ein labiles Gleichgewicht bringen. Oft genügt ein kurzer Einschub, eine Drehung oder ein Wechsel des Rhythmus~– schon werden die Verse neu ausgerichtet. Dabei ist es Štegers Kunst, mit seinen Bildern die Vorstellungen des Lesers flugs aus den Angeln zu heben.« Der Poet selbst beschreibt sein Interesse am sprachlichen Dazwischen in einem seiner frühen Verse mit der Bemerkung, ein Gedicht sei »stofflich nur in gasförmigem Zustand«. 2010 folgte der Lyrikband »Knjiga teles« (dt. »Buch der Körper«, 2012), in dem sich Šteger in drei Teilen, die jeweils 25~Gedichte umfassen, mit der Frage beschäftigt, wie weit die Sprache dem körperlichen Empfinden folgen kann und dabei »die Oberflächen der Sprache mikroskopisch abtastet« (Deutschlandfunk). Aus »Einer in Einem« wird so etwa zu Beginn, minimalistisch formuliert, die Frucht einer Liebesbeziehung: »Drei aus Zwei«. 2014 veröffentlichte Šteger schließlich seinen ersten Roman »Odpusti« (dt. »Archiv der toten Seelen«, 2016), der zur Karnevalszeit im Jahr 2012 spielt, als das slowenische Maribor Kulturhauptstadt Europas war. Ein Dramaturg und eine Journalistin sind einer bösartigen Verschwörung auf der Spur, an der eine Vielzahl von Maribors wichtigsten Bürgern beteiligt ist. Šteger nimmt dabei nicht nur im Titel Bezug auf den Roman »Die toten Seelen« (1842) des russischen Schriftstellers Nikolaj Gogol, sondern zeigt auch wie dieser die grotesken Auswüchse von Korruption in einer dekadenten Gesellschaft des schönen Scheins.

Ebenfalls seit 2012 unternimmt Šteger jährlich eine schriftstellerische Performance unter dem Titel »Vor Ort geschrieben«, die ihn bisher u.~a. nach Fukushima, Mexiko-Stadt und Belgrad führte. Im Rahmen eines DAAD-Künstlerstipendiums in Berlin entstand zuvor bereits eine Sammlung von erzählend-essayistischen Skizzen und Fotografien des Autors mit dem Titel »Preußenpark« (2009). Für sein literarisches Werk erhielt Šteger zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1998 den Veronika-Preis sowie 2007 den Rožanc-Preis für seine Essaysammlung »Berlin«. Seit 2014 ist er zudem Mitglied der Akademie der Künste Berlin. Neben seiner Arbeit als Autor übersetzt er auch aus dem Spanischen und Deutschen, darunter Werke von Gottfried Benn, Durs Grünbein und Pablo Neruda.

[http://www.alessteger.com/]

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