10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Zaza Burchuladze  [ Georgien ]

Biographie

Gast des ilb 2015.

Bibliographie

Mineral Jazz

Logos Press

Tiflis, 2003

Gospel of Donkey,

Logos Press

Tiflis, 2005

Instant Kafka

Bakur Sulakauri Publishing

Tiflis, 2010

Inflatable Angle

Bakur Sulakauri Publishing

Tiflis, 2011

Adibas

Aufbau

Berlin, 2015

[Ü: Anastasia Kamarauli]

Zaza Burchuladze wurde 1973 in Tiflis, Georgien, geboren. Er studierte in seiner Heimatstadt an der staatlichen Kunstakademie Malerei und arbeitet seither als Schriftsteller, Übersetzer und Journalist. Burchuladze übertrug Werke von Dostojewski, Charms und Sorokin ins Georgische und verfasste selbst zahlreiche Romane, Erzählungen, Essays und Drehbücher. Mit der Veröffentlichung seiner ersten, in der Tradition der Popliteratur stehenden Werke wie dem Roman »Mineral Jazz« (2003) oder der Novelle »Instant Kafka« (2005) sorgte der Autor durch seinen pikanten Stil und die provokante Themenwahl bei seinen Landsleuten für Furore. Heute zählt er zu den wichtigsten zeitgenössischen Schriftstellern und Intellektuellen seines Landes.

Ungeachtet der offensiven Anfeindungen, die ihm vor allem seitens der in Georgien omnipräsenten orthodoxen Kirche entgegenschlagen, thematisiert er in seinen Texten gesellschaftliche Tabus wie Sexualität, Drogen und Gewalt, aber auch den Opportunismus und das politische Desinteresse seiner eigenen Generation. Während sich Burchuladzes Kritik oft unmittelbar gegen die allmächtigen, kirchlichen Vertreter und ihr Unterdrückungsinstrumentarium richtet, konzentriert sich sein 2009 erschienener Roman »adibas« auf die neureiche, konsumorientierte Tifliser Bohème. Blind für die bedrohliche politische Situation des Landes frönt sie ihrem Fetisch einer »Fake-Welt« der Markenprodukte und digitalen Medien. Als erster von Burchuladzes Romanen, die bereits in mehrere Sprachen übersetzt wurden, erscheint »adibas« im Herbst 2015 auch auf Deutsch. Seinen bisher größten Erfolg feierte der vielfach ausgezeichnete Autor mit seinem jüngsten Roman »Inflatable Angel« (Ü: »Aufblasbarer Engel«), der sich mit der scheinheiligen Religiosität des georgischen Kleinbürgertums auseinandersetzt und 2011 in Georgien als bester Roman des Jahres ausgezeichnet wurde. Burchuladze nutzt zahlreiche Plattformen, um sich für Presse- und Meinungsfreiheit sowie für ein offenes, tolerantes Georgien einzusetzen. Seine journalistischen Beiträge für Radio »Freies Europa«, sein Engagement in verschiedenen Protestgruppen und vor allem seine schonungslosen Texte entfachten immer wieder heftige Kontroversen, die der Autor in Streitgesprächen mit Zeitungs- und Fernsehjournalisten öffentlich austrug. Für seine offene, kämpferische Kritik musste Burchuladze in seinem Heimatland jedoch einen hohen Preis zahlen: Seine Bücher wurden öffentlich verbrannt, er wurde immer wieder verbal und körperlich attackiert und schließlich 2012 auf offener Straße niedergeschlagen. In Folge dieses Angriffs übersiedelte der Autor nach Deutschland, wo er zunächst ein Jahr als Gast im Heinrich-Böll-Haus in Langenbroich residierte. Seit 2014 ist Burchuladze Writers-in-Exile-Stipendiat des PEN und lebt mit seiner Familie in Berlin, wo er mittlerweile an einem neuen Roman arbeitet.

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