10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Shukri Mabkhout  [ Tunesien ]

Biographie

Shukri Mabkhout
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2015.

Bibliographie

Ettalyani

Dar Al-Tanweer

Tunis, 2014

Shukri Mabkhout wurde 1962 in Tunis, Tunesien, geboren. Nach einer Promotion in Literatur am Arts College von Manouba ist er momentan Rektor der dortigen Universität. Mabkhout ist Chefredakteur von drei tunesischen Zeitschriften: der akademischen »Annals of the Tunisian University«, der zweimonatigen »Academia« zu Themen des Universitätslebens und von »New Thought« mit einem kulturellen und literarischen Fokus. Daneben verfasst Mabkhout Forschungsartikel, literaturkritische Texte und Übersetzungen sowie eine wöchentliche Zeitungskolumne.

2014 erschien sein Debütroman »Ettalyani« (Ü: Der Italiener), der trotz Mabkhouts Renommee als kultureller Leuchtturm seines Landes für großes kontroverses Aufsehen in tunesischen Literaturzirkeln sorgte. Das Buch erzählt von Abdel-Nasser, der aufgrund seines guten Aussehens »der Italiener« genannt wird. Im politischen Vakuum zwischen der dreißigjährigen Herrschaft des tunesischen Republikgründers Habib Bourguiba und der Präsidentschaft des gegen ihn putschenden Zine al-Abidin Ben Ali um 1990 trifft der Protagonist als einer der führenden Köpfe der linksradikalen Studentenbewegung auf die schöne und politisch ebenfalls ambitionierte Zeina, woraus sich eine komplizierte Beziehung irgendwo zwischen Liebe und Zweckgemeinschaft entwickelt. Mabkhout zieht dabei immer wieder Parallelen zwischen Fiktion und Realität, etwa indem er Zeinas Phase als liebende und rührige Ehefrau mit der Propaganda in Verbindung bringt, mit der Tunesiens Präsident Ben Ali die Sympathien seiner Landsleute für sich gewann, obwohl er nichts unternahm, ihre Situation zu verbessern. In einer Rezension für die Website quantara.de verweist Günther Orth zudem auf Parallelen zur heutigen Zeit, da durch das Buch auch »die Diskurse und Konflikte im Mutterland der arabischen Revolutionen von 2011 so verständlich werden, dass man die Revolution förmlich vorausspürt«. Der Autor selbst sagte dazu, er habe sich das Thema nicht ausgesucht, es habe sich ihm im Gegenteil einfach aufgedrängt und gezwungen, einen Roman mit dem Ziel zu schreiben, die Sehnsucht nach Freiheit einer ganzen Generation abzubilden sowie gesellschaftliche Widersprüche aufzudecken. Laut Günther Orth ist Mabkhouts Arabisch dabei »wie ein teurer, lange gereifter Wein, wie man es heute nur bei wenigen Schriftstellern findet und das dennoch seine nordafrikanische Verortung durch landestypische Vokabeln und Wendungen nie verleugnet«. 2015 gewann der tunesische Schriftsteller mit seinem Erstling den in Abu Dhabi verliehenen Internationalen Preis für Arabische Literatur und damit auch eine Übersetzung dieses Romans, der zuvor ohne offizielle Begründung aus sämtlichen Buchhandlungen im Emirat verbannt worden war, ins Englische. In Kürze erscheinen eine Kurzgeschichtensammlung mit dem Titel »Mrs.President« und der Roman »Baganda« (2016).

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