10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Richard Flanagan  [ Australien ]

Biographie

Richard Flanagan
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2015.

Bibliographie

Goulds Buch der Fische

Berlin Verlag

Berlin, 2002

Piper

München, 2015

[Ü: Peter Knecht]

Tod auf dem Fluss

Berlin Verlag

Berlin, 2004

[Ü: Peter Knecht]

Mathinna

Atrium

Zürich, 2009

[Ü: Peter Knecht]

Der schmale Pfad durchs Hinterland

Piper

München, 2015

[Ü: Eva Bonné]

www.richardflanagan.com

Richard Flanagan wurde 1961 in der Kleinstadt Longford auf Tasmanien geboren und wuchs im Bergwerksort Rosebery auf. An der University of Tasmania erwarb er einen Bachelor of Arts. Anschließend studierte er, mit einem Rhodes-Stipendium ausgestattet, am Worcester College der University of Oxford, wo er mit einem Master of Letters in Geschichtswissenschaft abschloss. Bevor er sich dem fiktionalen Schreiben widmete, verfasste Flanagan eine Reihe von historiografischen Sachbüchern; darunter »A Terrible Beauty: History of the Gordon River County« (1985) und »›Parish-fed Bastards‹: A History of the Politics of the Unemployed in Britain 1884–1939« (1991).

Rückschau, insbesondere auf die Besiedlungsgeschichte Tasmaniens, hält auch sein Erzähldebüt »Death of a River Guide« (1994; dt. »Tod auf dem Fluss«, 2004), in dem der Protagonist im Moment des Ertrinkens quasi visionär auf das eigene Leben wie auch auf jenes seiner Vorfahren blickt. Sein Können, historische Figuren und koloniale Verhältnisse höchst imaginativ zu fiktionalisieren, demonstrierte Flanagan auch in den folgenden Werken »Gould’s Book of Fish« (2001; dt. »Goulds Buch der Fische«, 2002) und »Wanting« (2008; dt. »Mathinna«, 2009). Dass jene Sensibilität bis in die Gegenwart reicht, zeigt sich wiederum in »The Unknown Terrorist« (2006), wenn von manipulativen Medien induziertes Misstrauen letztlich in Gewalt mündet. Unter dem Titel »And What Do You Do, Mr.Gable?« erschien 2011 eine Sammlung von Essays, die zuvor in internationalen Tageszeitungen und Magazinen publiziert worden waren, u.a. in »The New York Times«, »Süddeutsche Zeitung« und »Le Monde«. In seiner viel beachteten, auf jene Texte rekurrierende und landesweit übertragene Schlussrede beim Melbourne Writers Festival 2011 »The Australian Disease: On the Decline of Love and the Rise of Non-freedom« warnte Flanagan vor den Folgen des Konformismus und mahnte zu Engagement sowie Empathie. Sein über zwölf Jahre hinweg entstandener Roman »The Narrow Road to the Deep North« (2013; dt. »Der schmale Pfad durchs Hinterland«, 2015) nimmt sich der Geschichte der Thailand-Burma-Eisenbahn, der sogenannten Death Railway, an. Basierend auf den Berichten seines Vaters, der im Zweiten Weltkrieg als einer der berühmten »Tausend« unter Edward Dunlops Führung die Torturen der Internierung und Zwangsarbeit überlebte, beschreibt Flanagan eindringlich erlittene Krankheiten, Hunger und Brutalität.

2014 gewann der Autor mit »The Narrow Road to the Deep North« den renommierten Man Booker Prize. Weitere Auszeichnungen waren neben mehrfachen Nominierungen für den Miles Franklin Award der National Fiction Award (1996) und der Commonwealth Writers’ Prize (2002). Flanagan, der im Führungsgremium der Tierschutzorganisation Voiceless sitzt, lebt mit seiner Familie in Hobart, Tasmanien.

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