10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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María Sonia Cristoff  [ Argentinien ]

Biographie

Mariá Sonia Cristoff Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2015.

Bibliographie

Patagonische Gespenster

Reportagen vom Ende der Welt

Berenberg

Berlin, 2010

[Ü: Peter Kultzen]

Unbehaust

Was Menschen mit Tieren machen

Berenberg

Berlin, 2012

[Ü: Peter Kultzen]

Unter Einfluss

Berenberg

Berlin, 2013

[Ü: Peter Kultzen]

Lasst mich da raus

Berenberg

Berlin, 2015

[Ü: Peter Kultzen]

María Sonia Cristoff wurde 1965 als Tochter bulgarischer Immigranten in Trelew, Patagonien, geboren. Sie studierte Sprachen und Literatur in Buenos Aires und war Stipendiatin des Fondo Nacional de las Artes. Sie schreibt für verschiedene Zeitungen, Zeitschriften und literarische Magazine– darunter »La Nación« und »Neue Zürcher Zeitung«– und unterrichtet Patagonische Literatur und Kreatives Schreiben an der Universidad Tres de Febrero, Buenos Aires.

2005 erschien »Falsa calma. Un recorrido por los pueblos fantasmas de la Patagonia« (dt. »Patagonische Gespenster. Reportagen vom Ende der Welt«, 2010) mit Reportagen über diesen südlichsten Teil Amerikas, in denen die Autorin nicht bei touristischen Postkartenidyllen stehen bleibt, wie sie der britische Schriftsteller Bruce Chatwin gezeichnet hatte, sondern schonungs-, aber nie respektlos zeigt, welche Folgen das Versiegen des Öls, das dem Land kurzfristig Fortschritt beschert hatte, für die Menschen heute noch zeitigt. Wer noch nicht das Weite gesucht hat, hängt der Vergangenheit nach und ertränkt seine Verzweiflung über ein Leben in Armut und Isolation oft in Alkohol. Cristoffs Leistung als Chronistin besteht darin, den Menschen, unter denen sie aufgewachsen ist, nicht nur deren Sorgen, sondern auch deren Träume zu entlocken, wobei sie gleichzeitig auch ihre eigenen Assoziationen offenlegt. 2006 erschien das Prosawerk »Desubicados« (dt. »Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen«, 2012), in dem Cristoff bei Besuchen im Zoo von Buenos Aires ihren Gedanken freien Lauf lässt und Vergleiche anstellt zwischen der Art, wie Menschen in lateinamerikanischen Metropolen leben, und dem Leben von Zootieren. Eine Rezension bemerkt hierzu: »Ihre tiefe Bewunderung für die Würde der Tiere fasst die Autorin in betörende Worte, die noch lange nachhallen.« Cristoffs erster Roman »Bajo influencia« (2010; dt. »Unter Einfluss«, 2013) schildert, wie der selbsternannte (Lebens-)Künstler Cecilio in Buenos Aires auf die introvertierte Tonia, die Tochter einer Galeristin, trifft. Cristoff nutzt diese Geschichte zum anderen, um satirisch das Verhältnis von Sein und Schein im Kunstbetrieb zu beleuchten. Zuletzt veröffentlichte Cristoff den Roman »Inclúyanme afuera« (2014; dt. »Lasst mich da raus«, 2015), welcher die Schritte einer Simultandolmetscherin verfolgt, die alles hinter sich lässt, um ein neues Leben als anonyme Museumswärterin in der Provinz anzufangen. Die Kritikerin Beatriz Sarlo wählte ihn zum besten argentinischen Roman des Jahres 2014.

Die Autorin lebt in Buenos Aires.