10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Leila S. Chudori  [ Indonesien ]

Biographie

Chudori
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2015.

Bibliographie

Sebuah kejutan

Sinar Harapan

Jakarta, 1981

Die letzte Nacht

Horlemann

Bad Honnef, 1993

[Ü: Beate Carle]

9 dari Nadira

Kepustakaan Populer Gramedia

Jakarta, 2009

The longest kiss

Typhoon Media

Hongkong, 2014

[Ü: Pamela Allen / Jennifer Lindsay]

Pulang

(Heimkehr nach Jakarta)

Weidle

Bonn, 2015

[Ü: Sabine Müller]

www.leilaschudori.com

Leila Salikha Chudori wurde 1962 in Jakarta, Indonesien, als Tochter des Mitgründers der englischsprachige Tageszeitung »The Jakarta Post« geboren. 1988 schloss sie ihr Studium der Philosophie und Politik an der Trent University in Kanada ab. Danach schrieb sie als Journalistin für die indonesischen Magazine »Jakarta Jakarta« und »Tempo«. 1991 erhielt sie den Preis des Indonesischen Presseverbandes.

Nachdem ihre ersten Geschichten in Kindermagazinen erschienen waren, als sie zwölf war, veröffentlichte Chudori 1989 mit »Malam Terakhir« (dt. »Die letzte Nacht«, 1993) eine Sammlung weiterer Kurzgeschichten. Die Autorin bringt hier ihre Erfahrungen in der modernen westlichen Welt mit den Mythen ihrer eigenen Kultur zusammen und diskutiert bisher tabuisierte Themen wie die Scheinheiligkeit der öffentlich vertretenen Moral und vor allem das Recht der Frauen auf Selbstbestimmung entgegen alten Konventionen. So flieht eine Figur vor dem Einfluss ihrer dominanten Mutter in Romanwelten von D.H. Lawrence und James Joyce, bis die darin agierenden Charaktere ihr zu Freunden und Ratgebern werden. Auch aufgrund ihres unkonventionellen Erzählstils, der sich einer sensiblen und reflektierten, kultivierten Sprache bedient, gilt Chudori in Indonesien als eine der ausgewöhnlichsten sowie kühnsten Schriftstellerinnen ihrer Generation. Material für ihre Geschichten schöpft sie nicht nur aus ihrer Arbeit als Journalistin, sondern auch aus eigener Erfahrung. So wurde die kritische und einflussreiche Zeitschrift »Tempo«, für die sie schreibt, unter Präsident Suharto verboten, konnte nach dessen Rücktritt aber wieder publizieren. Chudori veröffentlichte bisher insgesamt vier Kurzgeschichtensammlungen, zuletzt den Band »9 dari Nadira« (2009; Ü: 9 von Nadira), der wie ein Roman gelesen werden kann, da die einzelnen Geschichten durch ihre Hauptfigur, die Journalistin Nadira, miteinander verknüpft sind und Kapitel aus deren Leben erzählen. In einem der eindringlichsten Texte interviewt die Reporterin im Rahmen ihrer Recherchen zu einem Verbrechen einen in der Psychiatrie eingesperrten Serienkiller, der das Spiel umkehrt und Nadira ihre eigenen Dämonen vor Augen führt. 2011 verfasste Chudori ihren ersten Roman »Pulang« (2012; dt. »Pulang (Heimkehr nach Jakarta)«, 2015). Darin beschäftigt sie sich mit einer Gruppe Journalisten, die seit den Verfolgungen und Massenmorden an Kommunisten, die ab 1965 unter Suharto stattfanden, im Pariser Exil leben und nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren können. Chudori verknüpft dabei die historischen Ereignisse mit dem persönlichen Schicksal zweier Generationen.

2013 erhielt die Autorin dafür den Khatulistiwa Literary Award. Zu ihren nächsten Projekten gehört u.a. der erste Band einer Familiengeschichte, deren zweiten Teil ihre Tochter Rain Chudori-Soerjoatmodjo schreiben soll.

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