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Javier Martínez Pedro  [ Mexiko ]

Biographie

Javier Martínez Pedro
© Kalandraka

Gast des ilb 2015.

Bibliographie

Migrar

Edition Orient

Berlin, 2015

[Ü: Ilse Layer]

www.kalandraka.com/blog/2012/10/02/migrar-premiado-en-mexico

Javier Martínez Pedro wurde 1963 in Xalitla bei Iguala im mexikanischen Bundesstaat Guerrero geboren. Neben der Arbeit auf dem Feld begann er mit 13 Jahren zu zeichnen, eine Familientradition, die inzwischen auch seine drei Söhne fortführen. Nachdem er 2000 in der Hoffnung auf ein besseres Leben in die USA geflohen war, kehrte er nach zwei Monaten Arbeit auf einer Plantage nach Mexiko zurück, da er aufgrund seiner Herkunft schlecht behandelt worden war. Neben dem Anbau von Wassermelonen mit seinem Vater verdient Martínez Pedro sein Geld auch mit Illustrationen auf selbst hergestelltem Baumrindenpapier.

Typische Motive seiner Arbeiten mit dieser besonderen künstlerischen Technik, die ihm sowohl national als auch international Auszeichnungen einbrachten, sind Szenen des ländlichen Alltags wie bäuerliche Szenen, Hochzeiten oder Festumzüge. Auch die Verlegerin seines literarischen Debüts wurde durch den Kauf seiner Bilder auf dem Markt in Mexiko-Stadt auf ihn aufmerksam. Auf der Grundlage eines Textes des mexikanischen Lyrikers José Manuel Mateo entstand so in circa vier Monaten ebenfalls auf Baumrindenpapier ein Leporellobuch mit einer einzigen, neunfach gefalteten, einseitig bedruckten Seite, die vertikal von oben nach unten zu lesen ist. In Leinen gebunden, steht dieses Kunstwerk damit in der Tradition des Aztekencodex, einer Bilderhandschrift, die vom 14. bis zum 16.Jahrhundert im Gebrauch war. Im wahrsten Sinne des Wortes entfaltet sich in »Migrar« (2011) , erzählt von einem kleinen Jungen, die Geschichte der Reise einer Familie von einem mexikanischen Dorf in ländlicher Idylle nach Los Angeles. Als dessen Vater, der bereits in die Vereinigten Staaten ausgewandert ist, um dort zu arbeiten, kein Geld mehr schickt und die Mutter des Jungen im Dorf ebenfalls keine Arbeit findet, wird auch für die restliche Familie eine Flucht unausweichlich. Auch wenn sie es schließlich schaffen, die USA zu erreichen, bleibt offen, ob sie dort den Vater und eine Zukunft finden werden. Kritiken lobten, dass »Migrar« auch bildlich vermittle, wie klein und verloren sich die Figuren auf ihrer Odyssee fühlten und dass die Illustrationen in ihrer Detailliertheit den Leser dazu einlüden, ihre oft im Verborgenen liegenden Bedeutungen zu entschlüsseln. Die Jury des Bologna Ragazzi Award hob zudem hervor, dass sich die ungewöhnliche Lesart gerade Kindern implizit erschließe.

Zu den weiteren Auszeichnungen, die »Migrar« erhielt, zählen der Antonio-Garcia-Cubas-Preis sowie der White Raven der Internationalen Jugendbibliothek (beide 2012). Einer mexikanischen Ausgabe von »Migrar« folgten u.a. Editionen in Spanien, Polen, den USA und in Frankreich, wobei die letztgenannte Version des Buches im Gegensatz zur Originalausgabe teilweise koloriert wurde. 2015 wurde »Migrar« schließlich in einer deutsch-spanischen Fassung veröffentlicht. Martínez Pedro lebt in Xalitla.

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