10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Javier Marías  [ Spanien ]

Biographie

Javier Marías Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2015.

Bibliographie

Der Gefühlsmensch

Piper

München, 1992

[Ü: Elke Wehr]

Mein Herz so weiß

Klett-Cotta

Stuttgart, 1996

[Ü: Elke Wehr]

Morgen in der Schlacht denk an mich

Klett-Cotta

Stuttgart, 1998

[Ü: Hartmut Zahn / Carina von Enzenberg]

Alle unsere frühen Schlachten

Fußball-Stücke

[Hg. Paul Ingendaay]

Klett-Cotta

Stuttgart, 2000

[Ü: Alexander Dobler / Catalina Rojas]

Die sterblich Verliebten

S. Fischer

Frankfurt a. M., 2012

Javier Marías Franco wurde 1951 in Madrid als Sohn des Philosophen Julián Marías Aguilera geboren, der als Anhänger der Republikaner vom Franco-Regime zeitweilig ins Gefängnis geschickt und mit einem Berufsverbot belegt wurde. Einen Teil seiner Kindheit verbrachte Marías daher in den Vereinigten Staaten, wo sein Vater an verschiedenen Hochschulen lehrte. Zum Kreis der Literaten, in dem die Familie in den USA verkehrte, zählten Jorge Guillén sowie Vladimir Nabokov. Auf die Rückkehr nach Spanien folgte 1968 bis 1973 ein Studium der Literaturwissenschaft und Philosophie an der Universität Complutense in Madrid, an der er später auch unterrichtete.

Mit fünfzehn schrieb Javier Marías einen (unpublizierten) ersten Roman, 1971 debütierte er mit »Los demonios del lobo« (Ü: Die Dämonen des Wolfs). Weitere Romane folgten, für »El hombre sentimental« (1986; dt. »Der Gefühlsmensch«, 1992) erhielt er den Premio Herralde de Novela. Zwischen 1983 und 1985 lehrte er in Oxford, eine einschneidende Erfahrung für sein weiteres Werk. 1988 publizierte er den Roman »Todas las almas« (dt. »Alle Seelen oder die Irren von Oxford«, 1991). Den größten internationalen Erfolg erzielte Marías mit »Corazón tan blanco« (1992; dt. »Mein Herz so weiß«, 1996), in Deutschland begünstigt durch die herausragende Kritik im »Literarischen Quartett«. Der Roman beginnt mit einem unerklärlich erscheinenden Selbstmord vor der Geburt des Erzählers, eines Übersetzers wie Marías selbst (1979 hatte er den Nationalen Übersetzer-Preis für seine Übertragung von »Tristram Shandy« erhalten). Der Protagonist Juan kommt im Lauf der Geschichte den Gründen auf die Spur und beginnt die Macht und die Gefahren von Sprache zu reflektieren. Viele Romane folgten, die mit den wichtigsten Literaturpreisen ausgezeichnet wurden, u.a. Rómulo Gallegos, Prix Fémina Étranger, Nelly Sachs, Grinzano Cavour, Staatspreis für europäische Literatur in Österreich, America Award, Formentor. Inzwischen spricht man vom »Marías-Sound« wegen seiner überaus melodischen Prosa. Für den Roman »Los enamoramientos« (2011; dt. »Die sterblich Verliebten«, 2012) sollte der Autor den Nationalen Literaturpreis der spanischen Regierung erhalten, nahm diesen aber aus Kritik an den drastischen Einsparungen im Kulturbereich nicht an. Neben zwölf publizierten Romanen, Essays und einem Kinderbuch stammen auch Erzählbände wie »Alle unsere frühen Schlachten. Fußball-Stücke« (2000), in dem der leidenschaftliche Real-Madrid-Fan Sportliches mit Autobiografischem verknüpft, aus seiner Feder. Sein Werk erscheint in 43 Übersetzungen in 52 Ländern.

Als Mitglied des Internationalen Schriftsteller-Parlaments setzte er sich für Kollegen in Not ein, u.a. während der Kriege im Balkan und in Tschetschenien. 2000 gründete er den Verlag Reino de Redonda. Berühmt sind auch seine sonntäglichen Kolumnen zu Politik und Gesellschaft in »El País Semanal«. Marías lebt in Madrid.

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