10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Ingeborg Kringeland Hald  [ Norwegen ]

Biographie

Ingeborg Kringeland Hald
© Mangschou Forlag

Gast des ilb 2015.

Bibliographie

Gullkalven

Mangschou

Bergen, 2013

Vielleicht dürfen wir bleiben

Carlsen

Hamburg, 2015

Ingeborg Kringeland Hald wurde 1962 in Norwegen geboren. Sie schrieb Texte für Songs der Christina Björdal Band und managte die Gruppe. 2010/2011 war sie für die Idee und das Skript zur Show »Das Maudelin Jazz-Theater präsentiert den Kontrabass« verantwortlich.

Ihr literarisches Debüt »Albin Prek« (2010; dt. »Vielleicht dürfen wir bleiben«, 2015) wurde für den Brage-Preis und den Debütpreis des Norwegischen Kulturministeriums nominiert. Der Roman für Kinder ab zehn Jahren erzählt die Geschichte des elfjährigen Albin, der mit seiner Mutter und seinen Geschwistern aus Bosnien nach Norwegen flieht und dort aufgrund der drohenden Abschiebung erneut die Flucht ergreift. Dabei versteckt er sich in einem fremden Auto, in dem Amanda und Lisa zusammen mit ihren Großeltern auf dem Weg in die Ferien sind. Eine Rezension in der »Süddeutschen Zeitung« nannte Halds Kinderbuch zum Thema Flucht und Asyl aktuell und wichtig, da es junge Leser sensibilisiere, indem es das Schicksal Gleichaltriger in den Mittelpunkt der Erzählung stelle. Im Einzelschicksal bekomme das sonst nur anonym in den Medien verhandelte Massenelend ein Gesicht und wecke mit einem offenen Ende, das Hoffnung gebe, die tragische Ausgangssituation aber nicht einfach glücklich auflöse, ohne den Einsatz von Mitleidseffekten Empathie für Flüchtlinge. Die Autorin nutzt dabei den stetigen Wechsel zwischen zwei Erzählebenen, welche Albins Erlebnisse in Bosnien und Norwegen schildern, um die Spannung hochzuhalten und Kontraste herauszuarbeiten. So fährt Albin etwa in beiden Ländern mit einem Bus. Während die Erfahrung von Hitze und Hunger die Fahrt im Rahmen der Flucht mit seiner Familie aus Bosnien bestimmt, ist der Bus in Norwegen fast leer, kalt und Albin allein unterwegs. Das Buch zeigt zudem die Grausamkeit des Kriegs durch die Augen eines Kindes, das ehrlich berichtet, auch wenn es noch nicht in der Lage ist, alles zu verstehen, was es erlebt hat. 2013 veröffentlichte Hald mit »Gullkalven« (Ü: Das goldene Kalb) ihren zweiten Roman, der von zwei völlig verschiedenen Familien erzählt. Magnus aus Oslo hat eigentlich alles, was er braucht, und wird von seinen Eltern als Strafe dafür, dass er so dreist ist, im Hubschrauber zum Abschlussball fliegen zu wollen, zu seinem Onkel geschickt. Dessen Familie verzichtet auf sämtliche zivilisatorische Errungenschaften wie Handy oder PC, da sie als Wikinger leben. Auch wenn Magnus und sein Cousin Loke, der von Geld und Technik träumt, zunächst keine Freunde zu werden scheinen, erlebt der verwöhnte Junge mehr Abenteuer als zuvor, vor allem während eines großen Live-Action-Rollenspiels, das eine historische Sage zum Leben erweckt und bei dem realistische Requisiten für mehr Spannung als gewünscht sorgen. Dabei versteht es Hald, die heutige Zeit auch sprachlich mit der Vergangenheit zu verknüpfen.

Die Autorin lebt in Haugesund, Norwegen.

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