10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki  [ Polen ]

Biographie

Portrait Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2015.

Bibliographie

Nenia i inne wiersze

Związek Literatów Polskich

Lublin, 1990

Przewodnik dla bezdomnych niezależnie od miejsca zamieszkania

Biuro Literacki

Legnica, 2000

Piosenka o zależnościach i uzależnieniach

Biuro Literacki

Wrocław, 2008

Geschichte polnischer Familien

Edition Korrespondenzen

Wien, 2012

[Ü: Doreen Daume]

Kochanka Norwida

Biuro Literackie

Wrocław, 2014

Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki wurde 1962 in Wólka Krowicka, einer kleinen, an der polnisch-ukrainischen Grenze gelegenen Ortschaft im Karpatenvorland geboren. Der in seiner Heimat als Kultautor gefeierte Dichter veröffentlichte bisher zahlreiche Lyrikbände und einen Prosaband. Daneben schrieb er immer wieder Beiträge für die Kulturzeitschrift der von ihm mitbegründeten literarischen Gruppe »Kresy«. Seine Gedichte wurden vom Polnischen in fast alle europäischen Sprachen übersetzt.

Tkaczyszyn-Dyckis Œuvre kreist um wenige zentrale Motive, die sich aus biografischen Schlüsselmomenten wie der Schizophrenieerkrankung seiner Mutter und dem Sterben seines Freundes Leszek speisen: Tod, Krankheit und Zerfall, Wahnsinn und Transgression, Erotik und homosexuelles Begehren sind die thematischen Klammern, die sein Werk umschließen und in vielfältigen Variationen immer wiederkehren. Bereits in seinem 1990 erschienenen Debütband »Nenia i inne wiersze« (Ü: »Nänie und andere Gedichte«) bildet die Verschmelzung des Bereiches der Lebenden mit dem der Toten eine motivische Leitlinie. Zwischen den beiden Sphären verortet das lyrische Ich die Mutter und ihren Wahnsinn. Während die Mutter hier noch zur jenseitigen Gestalt, zum »stern nicht ganz bei irdischem verstand« überhöht ist, wandelt sich ihre Krankheit in späteren Gedichtbänden wie »Przewodnik dla bezdomnych niezależnie od miejsca zamieszkania« (2000; Ü: »Ein Leitfaden für Heimatlose unabhängig vom Wohnsitz«) zur Metapher für Dichtung schlechthin. Das unaufhörliche Sterben der Mutter wird transformiert zum Sinnbild für das Spannungsfeld zwischen Sprache und Sprachlosigkeit. Anknüpfend an die Tradition des barocken Sonetts folgen seine Gedichte einer strengen, formalen Struktur, die geprägt ist von Antinomien und paradoxen Satzkonstruktionen. In einer eigenwilligen, facettenreichen Komposition aus düsteren und ironischen Tönen, kontrastiert der Lyriker religiöses Vokabular mit erotischen Anspielungen und durchwirkt seine Gedichte mit philosophischen und intertextuellen Bezügen. Verortet an ausgegrenzten Schauplätzen wie Sterbezimmern, Krankenhäusern und Friedhöfen, Stricherbars und Bahnhofstoiletten und immer wieder in den provinziellen Gebieten im Osten Polens, dringt das lyrische Ich in Tkaczyszyn-Dyckis Gedichten in die Zonen des Unsagbaren vor.

Für sein Werk wurde der Autor mehrfach ausgezeichnet. Neben vielen anderen Preisen erhielt er 2009 für seinen Gedichtband »Piosenka o zależnościach i uzależnieniach« (2008; Ü: »Das Lied über Abhängigkeiten und Süchte«) den Gdynia-Literaturpreis und die höchste literarische Auszeichnung Polens, den Nike-Preis. Mit seinem zuletzt erschienenen Gedichtband »Kochanka Norwida« (2014; Ü: »Norwids Geliebte«), den der Lyriker seiner Mutter und den dunklen Geheimnissen seiner Familiengeschichte widmete, wurde er 2015 erneut für den Nike-Preis nominiert. Tkaczyszyn-Dycki lebt in Warschau.

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