10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Adam Thirlwell  [ Großbritannien ]

Biographie

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© Peter Marlow

Gast des ilb 2015.

Bibliographie

Strategie

S. Fischer

Frankfurt a. M., 2004

[Ü: Clara Drechsler / Harald Hellmann]

Flüchtig

S. Fischer

Frankfurt a. M., 2010

[Ü: Henning Ahrens]

Der multiple Roman

S. Fischer

Frankfurt a. M., 2013

[Ü: Hannah Arnold]

Kapow!

Visual Editions

London, 2012

Grell und Süß

S. Fischer

Frankfurt a. M., 2015

[Ü: Tobias Schnettler]

Adam Thirlwell wurde 1978 in London geboren, studierte Anglistik am New College in Oxford und erhielt anschließend ein Stipendium für das Oxforder All Souls College.

Sein literarisches Debüt feierte Thirlwell 2003 mit dem Roman »Politics« (dt. »Strategie«, 2004), der ihm bereits vor Erscheinen einen Platz auf der Liste der »Best Young British Novelists« des Magazins »Granta« einbrachte. Geschildert wird eine Dreiecksbeziehung zwischen den Mittzwanzigern Moshe, Nana und Anjali, in der Liebesbekundungen strategisch eingesetzt werden und auch Sex jeder Spielart nur dazu dient, Herrschaftsverhältnisse zu etablieren oder zu verändern. Kritiker bescheinigten dem Autor dabei nicht nur eine erzählerische Virtuosität, die an »Totalkontrolle über Stoff, Figuren und Leser« heranreiche, sondern auch einen moralischen Hintersinn, da er im Roman die komplizierte Natur des Altruismus und den möglichen Nutzen von Egoismus untersuche. Mit einem »ernüchternden Blick auf die körperliche Liebe zu Beginn des 21.Jahrhunderts« sei es Thirlwell gelungen, ein »absolut zeitgemäßes Buch« vorzulegen. Das zweite Werk des Schriftstellers erschien 2007 in Großbritannien als »Miss Herbert« sowie 2013 auch auf Deutsch unter dem langen, die Komplexität des Vorhabens verdeutlichenden Titel »Der multiple Roman– Vergangene und zukünftige Abenteuer der Romankunst, verortet auf fast allen Kontinenten, in zehn Sprachen & mit einem gigantischen Ensemble von Schriftstellern, Übersetzern & anderen Phantasiewesen«. An die Stelle einer Handlung tritt hier eine Erzählung über das kreative Potenzial des Um-Schreibens als Teil des literarischen Prozesses, welche quer durch die Literaturgeschichte führt und deren Symbol die verlorene Übersetzung von Flauberts »Madame Bovary« ist, die der Autor mit Juliet Herbert, dem Kindermädchen seiner Nichte, fertigte. 2009 veröffentlichte Thirlwell den Roman »The Escape« (dt. »Flüchtig«, 2010), eine Farce über die Geschichte des 20.Jahrhunderts, angesiedelt in einem imaginierten Kurbad. 2015 erschien der Roman »Lurid & Cute« (dt. »Grell und Süß«, 2015), in dem der straffällige Erzähler in eine Spirale von Lügen und Untreue gerät. Der Roman analysiert dabei die Grenzen der Moral, des Selbst und anderer scheinbar stabiler Kategorien.

Thirlwell schreibt zudem für Zeitungen und Zeitschriften (»Guardian«, »New York Times«, »New York Review of Books«, »Times Literary Supplement« u.a.). Er stand zweimal (2003 und 2013) auf der »Granta«-Liste der besten jungen britischen Romanautoren und erhielt 2008 den Somerset-Maugham-Preis. 2011 übernahm Thirlwell die S.-Fischer-Gastprofessur für Vergleichende Literatur an der Freien Universität Berlin. 2015 erhielt er den E.~M. Forster Award der American Academy of Arts and Letters. Er lebt in London.

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