10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Tope Folarin  [ Nigeria, USA ]

Biographie

Tope Folarin Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2014.

Bibliographie

MiracleAuszug aus: The Proximity of DistanceIn: The Caine Prize for African Writing 2013New Internationalist Publications/Jacana MediaOxford/Aukland Park, 2013

Tope Folarin wurde in Ogden, Utah, als Sohn nigerianischer Einwanderer geboren und wuchs in Grand Prairie, Texas, auf. In Atlanta studierte er Politikwissenschaft. Als Rhodes Scholar erlangte er einen Master an der University of Oxford.

Anschließend arbeitete er als u.~a. als Pressesprecher, engagierte sich im Wahlkampf Obamas, bevor er 2008 in Washington die Bekanntschaft von Schriftstellern und Lyrikern wie E. Ethelbert Miller machte, die ihn motivierten, seine bisherige Kurzprosa bei Wettbewerben einzureichen. 2013 erhielt er als erster nicht in Afrika geborener Autor den Caine Prize for African Writing. Mit der Ehrung sieht Folarin sich, obgleich in der Diaspora schreibend, in eine langen Tradition afrikanischer Autoren aufgenommen. Es handele sich um eine Bestätigung seiner beiden Identitäten, die seine nigerianischen wie amerikanischen Wurzeln zusammenführe. Bei der prämierten Kurzgeschichte »Miracle« (Ü: Wunder) handelt es sich um ein Exzerpt des in Bälde erscheinenden Romans »The Proximity of Distance« (Ü: Die Nähe der Ferne), welcher mosaikartig aus insgesamt elf ineinandergreifenden Erzählungen komponiert ist. Von den Juroren wurden insbesondere das ausgewogene narrative Tempo sowie die präzisen Beobachtungen gerühmt, mit denen Folarin den von nigerianischen Auswanderern besuchten Gottesdienst einer evangelikalen Erweckungskirche in der texanischen Provinz schildert. Bestechend ist darüber hinaus die raffinierte Verschiebung der Erzählperspektive, vom kollektiven Wir der anwesenden Gemeinde hin zur individuellen Wahrnehmung eines namenlos bleibenden Jungen. Während ein angereister, vorgeblich blinder Prediger sich als Abgesandter Gottes mit Heilkräften geriert, wird dem asthmatischen wie kurzsichtigen Erzähler seine eigene Definition von Wunderwerken bewusst. Statt in übernatürlichen Phänomenen oder mystischen Beschwörungen findet er sie vor allem im familiären Zusammenhalt, in der Bewältigung der alltäglichen Bürden einer Existenz im harschen kulturellen Kontrast und lernt scheinbar Gewöhnliches als humanistische wie kulturtechnische Errungenschaften zu schätzen. So ist es schließlich nicht der mutmaßliche Prophet, der ihn sehen lässt, sondern seine Brille. Letztendlich überlässt Folarin jedoch dem Leser das Urteil über die Aufrichtigkeit des Priesters und dessen womöglich manipulatives Wirken. Folarin ist Mitglied im Gremium der Zora Neale Hurston/Richard Wright Foundation zur Förderung von afroamerikanischen Autoren. Das im April 2014 unter dem Dach des Hay Festivals initiierte und mit der Beteiligung von Binyavanga Wainaina realisierte Projekt »Africa39« zählte Folarin zu den vielversprechendsten und prägendsten jungen Autoren des subsaharischen Afrika und der Diaspora. Folarin lebt in Washington, D.C.Tope

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