10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2014 / Mariette Navarro

Mariette Navarro  [ Frankreich ]

Biographie

Mariette Navarro Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2014.

Bibliographie

Alors Carcasse

Cheyne

Devesset, 2011

Nous les vagues

Quartett

Fontenay-sous-bois, 2011

Prodiges®

Quartett

Fontenay-sous-Bois, 2012

Wir Wellen

Matthes & Seitz

Berlin, 2014

[Ü: Leopold von Verschuer]

Mariette Navarro, geboren 1980, ist Schriftstellerin und Dramaturgin. Sie studierte moderne Literatur und Theaterwissenschaft an der Universität von Lyon und besuchte anschließend die École Supérieure d’Art Dramatique des Théâtre National de Strasbourg.

Ihre schriftstellerische und dramaturgische Arbeit sind eng miteinander verwoben. So ergeben sich Texte teilweise direkt aus der Probenarbeit wie etwa »Le bal d’Emma« (2013; Ü: Emmas Ball) oder »Elle brûle« (2013, Ü: Sie brennt), die in Zusammenarbeit mit der Regisseurin Carolina Guiela und der Compagnie des Hommes Approximatifs entstanden. Für den Regisseur Matthieu Roy und die Compagnie du Veilleur schrieb sie 2012 »Prodiges®« (2011; Ü: Wunder®), das im selben Jahr auch als Buch erschien. In Buchform veröffentlichte Navarro bisher »Alors Carcasse« (2011; Ü: Knochengerüst) und »Nous les vagues« (2013; dt. »Wir Wellen«, 2014). Beide Texte entziehen sich der Zuordnung zu einem literarischen Genre. Im Zentrum von »Alors Carcasse« steht eine menschliche, doch weder weibliche noch männliche Figur in einer existenziellen Entscheidungssituation. Während das Buch sich auf einen Einzelnen fokussiert, dreht sich »Nous les vagues« um das Wir. »Einverstanden, lasst uns in Erscheinung treten, noch deutlicher, es muss sein …«, beginnt der Text und beschwört und befragt im Folgenden die Möglichkeit einer kollektiven Erhebung. Über die fünf Akte des Textes schwellen die einzelnen Sprechpartien zunächst zu immer größerer Länge an, um anschließend wieder zusammenzuschrumpfen, und es ist offen, ob es eine Partitur für immer mehr Stimmen oder, auch das ist eine durch verschiedene Schrifttypen angebotene Lesart, der Monolog eines Mannes am Krankenbett seiner Geliebten ist. Trotz eines pessimistischen Grundtons endet der Text mit einem Verweis auf den Frühling. 2009 in Algerien begonnen, nimmt »Nous les vagues« möglicherweise erste Anzeichen dessen auf, was später zum arabischen Frühling werden sollte. Der Text entstand im Rahmen eines Aufenthaltsstipendiums in Zusammenarbeit mit der Auberge des Aftis (Jijel, Algerien) und dem Kollektiv Noir sur blanc: Chrysalide Algier – Gertrude II Lyon – Perséphone Sétif. Die Autorin erhielt für ihn 2010 ein Förderstipendium vom Centre National du Théâtre. Die Übersetzung entstand im Auftrag des Atelier Européen de la Traduction im Rahmen eines mehrsprachigen Projekts aus Mitteln des französischen Kulturministeriums als Teil der Suche nach einem europäischen Wir.

Seit 2010 ist Navarro Mitglied der Lektorengruppe des Théâtre national de la Colline in Paris. Seit 2014 arbeitet sie für die Comédie de Béthune, Centre Dramatique National du Nord. Arbeitsstipendien erhielt sie vom Centre des auteurs dramatiques in Montreal (2007 und 2011). »Alors Carcasse« wurde 2012 mit dem Robert-Walser-Preis für das erste Buch ausgezeichnet. Mariette Navarro lebt in Paris.

[http://petit-oiseau-de-revolution.eklablog.com/]

abgelegt unter: