10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Junot Díaz  [ Dominikanische Republik, USA ]

Biographie

Junot Díaz Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2014.

Bibliographie

Abtauchen Krüger Frankfurt a. M., 1997 [Ü: Hans M. Herzog]

Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao S. Fischer Frankfurt a. M., 2009 [Ü: Eva Kemper]

Und so verlierst du sie S. Fischer Frankfurt a. M., 2013 [Ü: Eva Kemper]

www.junotdiaz.com

Juno Díaz wurde 1968 in Santo Domingo geboren und wuchs in New Jersey auf, wo er an der Kean sowie der Rutgers University studierte. Derzeit ist Díaz Professor für Kreatives Schreiben am Massachusetts Institute of Technology und wirkt darüber hinaus als verantwortlicher Literaturredakteur der Zeitschrift »Boston Review«.

Bereits sein erster Short-Story-Band »Drown« (1996; dt. »Abtauchen«, 1997) fand enorme Beachtung. Basierend auf den Erfahrungswelten des Autors, sind die insgesamt zehn, teilweise miteinander verwobenen Erzählungen zwischen der Dominikanischen Republik und den Metropolregionen der amerikanischen Ostküste angesiedelt. Aus adoleszenter Perspektive schildert er den alltäglichen Überlebenskampf und transzendiert dabei simplifizierte Vorstellungen über Migration. Mit seiner Erzählstimme gibt Díaz sämtliche Schattierungen der in den diversen Barrios gesprochenen Spanglish-Slangs wieder und ringt den rauen Coming-of-Age-Geschichten teils lyrische Momentaufnahmen ab. Als primäre narrative Instanz und Díaz’ leicht verfremdetes Alter Ego kehrt der aus den Kurzgeschichten bekannte Yunior in dem Roman »The Brief Wondrous Life of Oscar Wao« (2007; dt. »Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao«, 2009) zurück. Ungeachtet der überbordenden Fußnoten schlägt der Text ein unbändiges Tempo an, das die drei Generationen umspannende, von Gewalt und tragischen Verlusten gezeichnete Familienchronik zusammenhält. Im Zentrum steht der adipöse Oscar, der sich nach der Emigration in die USA in die ausufernde Imagination von Science-Fiction-Filmen, Rollenspielen und nicht zuletzt fantastischer Literatur flüchtet, während er sich nach der Zuneigung des anderen Geschlechts verzehrt. Schließlich wird Oscar in der eskapistischen Isolation selbst zum Autor und strebt den Rang eines »dominikanischen Tolkien« an. In einem beständig überdrehten, rhythmisch durchwirkten Modus flicht Díaz fulminant populärkulturelle Verweise, metafiktionale Versatzstücke sowie karibische Historie ein. Mit »This is How You Lose Her« (2012; dt. »Und so verlierst du sie«, 2013) greift Díaz abermals die Figuren und Schauplätze seines Debüts auf, zuvorderst Yunior und seine amourösen Verstrickungen. Vom ausgelassenen Argot getragen und angereichert mit politischen Seitenhieben, demontieren die verknüpften Episoden das virile Gebaren seines Protagonisten.

Díaz’ Prosa und Essays wurden in über ein Dutzend Sprachen übersetzt und wiederholt in »Story«, »The Paris Review« und »The New Yorker« publiziert. Sein Schaffen ist zudem mit namhaften Auszeichnungen prämiert, darunter dem PEN/Malamud Award (2002), dem National Book Critics Circle Award (2007), dem Pulitzer Prize for Fiction (2008), einem MacArthur-Fellowship (2012) und einem Ehrendoktortitel der Brown University in Providence, Rhode Island (2013). Zuletzt erhielt er den Norman Mailer Prize for Distinguished Writing (2013). Díaz lebt in Boston und New York.

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