10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Juan Gabriel Vásquez  [ Kolumbien, Spanien ]

Biographie

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© Nina Subin, Schöffling Verlag

Gast des ilb 2014.

Bibliographie

Joseph Conrad El hombre de ninguna parte

Panamericana Bogotá, 2004

Die Informanten Schöffling Frankfurt a. M., 2010

[Ü: Susanne Lange]

Die geheime Geschichte Costaguanas Schöffling Frankfurt a. M., 2011

[Ü: Susanne Lange]

Die Liebenden von Allerheiligen Schöffling Frankfurt a. M., 2013

[Ü: Susanne Lange]

Das Geräusch der Dinge beim Fallen Schöffling Frankfurt a. M., 2014

[Ü: Susanne Lange]

Juan Gabriel Vásquez wurde 1973 in Bogotá, Kolumbien, geboren, wo er auch Jura studierte, bevor er bei einem Paris-Aufenthalt (1996–1999) an der Sorbonne über lateinamerikanische Literatur promovierte. Neben seiner Arbeit als Autor übersetzte Vásquez Texte von Victor Hugo, E. M. Forster und John Dos Passos ins Spanische und arbeitet als Kolumnist für die kolumbianische Zeitschrift »El Spectador«.

Sein literarisches Frühwerk »Los amantes de Todos los Santos« (2001) wurde auf Deutsch veröffentlicht (»Die Liebenden von Allerheiligen«, 2013): In sieben auf den ersten Blick sehr unterschiedlichen Geschichten legt Vásquez die universellen und doch immer individuellen Spannungsverhältnisse menschlicher Beziehungen zwischen den Polen Liebe und Abneigung sowie Zwei- und Einsamkeit frei. 2004 veröffentlichte er eine Kurzbiografie des britischen Schriftstellers Joseph Conrad, mit dem ihn die Idee verbindet, dass das Schreiben über Geschichte nie von einem objektiven Standpunkt aus möglich ist~– Romane bieten für ihn die Möglichkeit, unterdrückte Versionen der Vergangenheit freizulegen, die helfen können, die eigene Zukunft besser zu verstehen und zu lenken. Für seinen Roman »Los informantes« (2004; dt. »Die Informanten«, 2010) erntete Vásquez internationalen Ruhm. Ein junger Journalist enthüllt bei seinen Recherchen nicht nur die Schicksale deutscher Juden, die nach geglückter Flucht nach Kolumbien aus Missgunst als Nationalsozialisten denunziert wurden, sondern auch, wie sich die Vertuschung dieser Fälle bis in die Gegenwart des Landes auswirkte. Auch in seinem Roman »Historia secreta de Costaguana« (2007; dt. »Die geheime Geschichte Costaguanas«, 2011) demonstriert Vásquez »einen Geschichtssinn, der in den letzten Jahren in der zeitgenössischen lateinamerikanischen Literatur eher selten geworden ist« (»NZZ«). Der Bau des Panamakanals dient hier als Kulisse für eine Erzählung, die kunstvoll die Entstehung von Joseph Conrads Roman »Nostromo« (1904) mit den Abenteuern eines kolumbianischen Schelms verwebt. Trotz der Stimmen, die Vásquez für einen der größten Nachfolger von Gabriel García Márquez halten, sieht er seine Erzählweise als Gegenentwurf zu dessen magischem Realismus. 2010 erschien sein Roman »El ruido de las cosas al caer« (dt. »Das Geräusch der Dinge beim Fallen«, 2014), der 2011 mit dem Premio Alfaguara de Novela geehrt wurde. Vásquez kombiniert darin erneut Fiktion und Geschichte, um das Panorama einer kolumbianischen Gesellschaft zu zeichnen, die noch heute vom Drogenhandel aus der Zeit Pablo Escobars und den daraus entstehenden blutigen Konflikten geprägt ist.

Der Autor lebt inzwischen wieder in Bogotá.

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