10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Joshua Cohen  [ USA ]

Biographie

Portrait Joshua Cohen
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2014.

Bibliographie

Cadenza for the Schneidermann Violin Concerto Fugue State New York, 2007

A Heaven of Others Starcherone Buffalo, 2009

Witz Dalkey Archive Champaign, 2010

Attention! a (short) history Notting Hill London, 2013

Vier neue Nachrichten Schöffling Frankfurt a. M., 2014[Ü: Ulrich Blumenbach]

www.joshuacohen.org

Joshua Cohen wurde 1980 in Atlantic City im amerikanischen Bundesstaat New Jersey geboren und studierte an der Manhattan School of Music. Neben seiner Arbeit als Buchkritiker für »Harper’s Magazine« verfasst er auch Rezensionen für die Literaturbeilage der »New York Times« und für die britische Literaturzeitschrift »London Review of Books«.

Sein literarisches Werk, für das er mit Autoren wie Thomas Pynchon und David Foster Wallace verglichen wurde, umfasst neben vier Romanen auch Erzählungen. 2005 erschien mit »The Quorum« eine erste Sammlung von Geschichten, gefolgt von den Erzählbänden »Aleph-Bet. An Alphabet for the Perplexed« (2007; Ü: Aleph-Be.: Ein Alphabet für die Verwirrten), »Bridge & Tunnel (& Tunnel & Bridge)« (2010; Ü: Brücke & Tunnel [& Tunnel & Brücke]) und »Four New Messages« (2012; dt. »Vier neue Nachrichten«, 2014), der von der Zeitschrift »The New Yorker« zum besten Buch des Jahres 2012 gekürt wurde. Cohen spürt darin der radikalen Wucht nach, mit der das Internet unsere Welt auf gesellschaftlicher, aber vor allem auch auf privater, oft sogar intimer Ebene beeinflusst und auch verändert, wer wir sind und wie wir die anderen sehen. So handelt eine der Geschichten von einem Drogenhändler, dessen Leben aus den Fugen gerät, als ihn ein Internet-Blog an den Pranger stellt, während in einer anderen Erzählung Internetpornografie eine Verbindung zwischen den Leben osteuropäischer Mädchen herstellt. In einer Kritik verweist der »Boston Globe« darauf, dass Cohen wie David Foster Wallace daran interessiert sei, die entmenschlichende Wirkung der uns umgebenden Technologien aufzuzeigen, mit allen tragischen, aber auch komischen Konsequenzen. Seine Methode, zur wahren Bedeutung der Dinge vorzudringen, vergleicht »The New York Times« mit dem Schlagbohren durch eine dicke Wand aus Wörtern, wobei Cohen in einer rasenden Mischung aus Prosa und Lyrik, Wortneuschöpfungen und -spielen auch die Probleme für das eigene Schreiben thematisiert, die entstehen, wenn das Virtuelle die Realität überholt. In seinem Sachbuch »Attention! a (short) history« (2013, Ü: Achtung! eine [Kurz-]Geschichte) beschäftigte sich der Autor ebenfalls mit unserer digitalen Gesellschaft, in der Aufmerksamkeit die wichtigste Ressource zu sein scheint, durch die Vielfalt der Angebote gleichzeitig aber zerstreut und entwertet wird. 2010 veröffentlichte er seinen dritten Roman »Witz«, eine epische Erzählung über den letzten lebenden Juden, geprägt von jiddischer Ausdrucksweise und erneut die Grenzen der Sprache ausreizend und überschreitend. Sein nächster Roman »The Book of Numbers« (Ü: Das Buch der Zahlen) erscheint 2015.

Joshua Cohen wurde u.~a. mit dem Pushcart Prize (2012) und dem Matanel Award für jüdische Literatur (2013) geehrt. Er lebt in Brooklyn, New York.

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