10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Jenny Erpenbeck  [ Deutschland ]

Biographie

Jenny Erpenbeck
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2014, 2015.

Bibliographie

Geschichte vom alten Kind

Eichborn

Frankfurt a. M., 1999

Wörterbuch

Eichborn

Frankfurt a. M., 2004

Heimsuchung

Eichborn

Frankfurt a. M., 2008

Dinge, die verschwinden

Galiani

Berlin, 2009

Aller Tage Abend

Knaus

München, 2012

Jenny Erpenbeck wurde 1967 in Ost-Berlin geboren. Sowohl ihre Großeltern, Hedda Zinner und Fritz Erpenbeck, bekannte Größen in der Kulturszene der DDR, als auch ihre Eltern John Erpenbeck und Doris Kilias waren literarisch tätig. Nach ihrem Schulabschluss absolvierte Erpenbeck eine Lehre als Buchbinderin und arbeitete als Requisiteurin an der Staatsoper Berlin, bevor sie Theaterwissenschaft an der Humboldt-Universität und Musiktheaterregie an der Hochschule für Musik Hanns Eisler studierte. An verschiedenen Opernhäusern und Theatern, u.a. in Graz, Berlin, Aachen und Nürnberg, inszenierte sie Stücke vom Barock bis in die Moderne wie auch eigene Bühnentexte.

Mit der Novelle »Geschichte vom alten Kind« (1999) gab sie ihr Debüt als Prosaautorin. Lakonisch schildert sie darin die enigmatische Geschichte eines namenlosen, offenbar aus dem Nichts aufgetauchten Mädchens. Von der Kritik wurde insbesondere die eigentümliche, zwischen Distanz und Introspektion changierende Sprache gelobt, mit der Erpenbeck jene zeitgenössisch-weibliche Variation des Kaspar-Hauser-Mythos auskleidet. Eine Bühnenadaption feierte 2003 am Staatstheater Kassel Premiere. Nach dem Erzählband »Tand« (2001) explorierte Erpenbeck in »Wörterbuch« (2004) das komplexe Verhältnis von Sprache und Erinnerung. Während dieser Roman an einem nur literarisch definierten Schauplatz spielte, nannte sie in »Heimsuchung« (2008) als Spielort ein konkretes Haus an einem brandenburgischen See. In letztgenanntem Buch dehnte sie den zeitlichen Rahmen vom Ersten Weltkrieg bis in die Gegenwart. Ihr Werk »Dinge, die verschwinden« (2009) versammelt eine Reihe von Miniaturen, die ironisch und hintergründig– vom Alltäglichen bis in das Historische reichend– die Vergänglichkeit alles Seienden illustrieren. Der Vanitas nahm sich Erpenbeck noch expliziter in ihrem Roman »Aller Tage Abend« (2012) an. In fünf potenziellen Lebensläufen ein und derselben Figur werden die biografisch weit reichenden Folgen augenscheinlich winziger Abweichungen von den tatsächlichen Begebenheiten aufgezeigt. Die Episoden springen dabei auf der Zeitachse ebenso wie auf dem Globus zwischen den Metropolen New York, Moskau und Berlin und eröffnen dem Leser stets einen interpretatorischen Freiraum, um den schmalen Grat zwischen Zufall und Determinismus zu reflektieren. In ihrem letzten Roman »Gehen, ging, gegangen« (2015) verknüpft die Autorin gesellschaftliche Entwicklungen wie die Flüchtlingsproblematik mit dem demografischen Wandel. Ein emeritierter Professor, der es nicht erträgt, dass sein altes Leben zu Ende ist, trifft durch Zufall afrikanische Asylsuchende, die seit Jahren in Berlin darauf warten, dass das von ihnen erhoffte neue Leben endlich beginnt.

Neben mehreren Stipendien erhielt Erpenbeck u.a. den Jurypreis des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs sowie zuletzt 2014 den Hans-Fallada-Preis. Sie lebt in Berlin.

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