10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2014 / Hwang Sok-Yong

Hwang Sok-Yong  [ Republik Korea ]

Biographie

Portrait Hwang Sok-Yong
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2014.

Bibliographie

Der ferne Garten dtv premium München, 2000 [Ü: Oh Dong-sik, Kang Seung-hee u. Torsten Zaiak]

Die Geschichte des Herrn Han dtv premiumMünchen, 2005 [Ü: Oh Dong-sik, Kang Seung-hee u. Torsten Zaiak]

Der Gast dtv premiumMünchen, 2007 [Ü: Young Lie, Katrin Mensing u. Matthias Augustin]

Unkraut und andere Prosa Delta Stuttgart, 2011 [Ü: Kang Seeun-hee, Oh Dong-sik, Torsten Zaiak u. Martin Tutsch]

The Shadow of Arms Seven Stories New York, 2014 [Ü: Chun Kyung-ja]

Hwang Sok-yong wurde 1943 in Zhangchun in der Mandschurei geboren, wo seine großbürgerliche Familie Zuflucht vor den japanischen Kolonialherren gefunden hatte. Zwischen 1945, dem Jahr, als die japanische Besatzung endete, und 1948, als das Land kommunistisch wurde, lebte er in Nordkorea. Dann flüchtete die Familie nach Seoul. 1978 übersiedelte Hwang Sok-yong nach Gwangju im Südwesten, wo er 1980 den Aufstand gegen die Militärdiktatur miterlebte und deshalb zeitweise auf die Insel Jeju zog. 1989 reiste er auf Einladung des Literatur- und Kunstverbandes zum ersten Mal nach Nordkorea, im Jahr darauf besuchte er dort die »Versammlung aller Völker«. Der »realistische Idealist« Hwang Sok-yong setzt sich unermüdlich für eine Aussöhnung der beiden Teilstaaten ein. Mehrere Jahre verbrachte er im Exil, 1989/90 in Berlin. 1993 aus New York zurückgekehrt, wurde er aufgrund seiner Nordkorea-Reisen zu sieben Jahren Haft verurteilt. 1998 kam er durch eine Amnestie des neuen, die »Sonnenscheinpolitik« propagierenden Staatspräsidenten Kim Dae-jung frei und wurde als offizieller Kulturvertreter nach Nordkorea geschickt.

Als Gymnasiast erhielt Hwang einen Preis für seine erste Erzählung, 1962 folgte die erste Veröffentlichung. Politisch bedingte Lebensumschwünge ins Tragische, die ohne jede Ironie dargestellt werden, prägen sein Werk. In deutscher Übersetzung ist er mit zwei Büchern präsent, deren Helden durch unverschuldete Haftstrafen gebrochen sind: »Die Geschichte des Herrn Han« und »Der ferne Garten«. In »Die Geschichte des Herrn Han« (1972) schildert Hwang, der seinen Militärdienst 1966 bis 1969 in Vietnam absolvierte, in Form einer schlichten Chronik das Schicksal des Han Yondok, eines Gynäkologie-Professors am Universitätskrankenhaus von Pjöngjang. Der geradlinige Han gerät in die Wirren des Koreakriegs. Als er heimlich eine Patientin außerhalb der privilegierten Krankenstation der Partei versorgt, wird er zum Tode verurteilt, kann jedoch fliehen. »Bereit, ihr Hab und Gut, die Heimat, ihr Stückchen Erde, ja selbst ihre Seele zu verlassen, nur um irgendwo in Frieden zu leben«, versucht die Familie Han, den dezemberkalten Fluss Daedong in Richtung Süden zu überqueren, doch nur der Vater schafft es. In Seoul wird er als nordkoreanischer Spion denunziert, inhaftiert und gefoltert. Die dramatische Flucht- und Trennungsszene am Daedong hat für die gesamte Literatur Koreas Symbolcharakter. 1984 erschien sein zehnbändiger Roman »Jang Gilsan« nach zehnjährigem Vorabdruck in der Zeitung »Hanguk-Ilbo«. Hwangs eigenes Erleben des Mauerfalls markiert den Höhepunkt seines groß angelegten Gesellschafts- und Liebesromans »Der ferne Garten« (2000), der zum Teil in Berlin spielt.

Der Schriftsteller, der zu den bekanntesten Koreas zählt, erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Daesan-Preis und den Literaturpreis Korea Arts & Culture. Hwang Sok-yong lebt zurzeit in London.

abgelegt unter: