10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Hermann Peter Piwitt  [ Deutschland ]

Biographie

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© Wallstein Verlag

Gast des ilb 2014.

Bibliographie

Die Gärten im März

Rowohlt

Reinbek, 1979

Der Granatapfel

Hoffmann und Campe

Hamburg, 1986

Heimat, schöne Fremde

Wallstein

Göttingen, 2010

Erbarmen

Wallstein

Göttingen, 2012

Lebenszeichen mit 14 Nothelfern

Wallstein

Göttingen, 2014

www.hermannpeterpiwitt.de

Hermann Peter Piwitt wurde 1935 in Wohldorf bei Hamburg geboren und wuchs in Frankfurt am Main auf. Dort sowie in Berlin und München studierte er Literaturwissenschaften, Philosophie und Soziologie, u.~a. bei Adorno und Walter Höllerer. Anschließend arbeitete er als Lektor im Rowohlt Verlag, Journalist und Dozent.

1965 debütierte mit den Prosastücken »Herdenreiche Landschaften«, mit denen er als experimentierfreudiger Stilist hervortrat. Den zeitgeschichtlich scharfen Blick, mit dem er in seinen Romanen vergangene Epochen genauso wie den jeweiligen Status quo vermisst, ergänzt Piwitt mit dem Anspruch formaler Originalität, beispielsweise mittels der Collage in »Rothschilds« (1972), einer historischen Pikareske in »Der Granatapfel« (1986) oder abgründiger Gedankenströme in »Ein unversöhnlich sanftes Ende« (1998). Wie sich das narrative Werk mit seinen zahlreichen essayistischen Betrachtungen überlagert, veranschaulicht der Band »Heimat, schöne Fremde« (2010), der Texte aus allen Schaffensphasen kompiliert. Pointiert schildert Piwitt in der Novelle »Erbarmen« (2012) aus der Perspektive einer Witwe im mittleren Alter, wie eine anfangs unverbindliche Affäre durch das seitens des Geliebten wiederholt eingeforderte Ausleben einer Fantasie letztlich eine ungeahnt tragische Wendung nimmt. »Sind achtzig Jahre ein Leben?«, fragt Piwitt zu Beginn seiner autobiografischen Rückschau »Lebenszeichen mit 14 Nothelfern« (2014). Bereits im Untertitel »Geschichten aus einem kurzen Leben« lässt er subtil die ihm eigene Ironie anklingen, mit der er Freunden, ehemaliger Lehrer und Künstlerkollegen gedenkt. Szenen aus der Kindheit finden sich ebenso wieder wie Seitenhiebe auf den Kulturbetrieb, zeithistorische Reflexionen der politischen Verhältnisse in der 68er-Ära und ein augenzwinkernder Abgesang auf die langjährige Heimat Hamburg~–Episoden, die nicht zuletzt von der Beständigkeit eigener Überzeugungen handeln. Jene nicht zwingend chronologisch geordneten Miniaturen sind, nicht zuletzt dank Piwitts ausgereiften und charakteristisch prägnanten Stils, auch ein Abbild der unmittelbaren Vergegenwärtigung. Beinah unmerklich wechselt er wiederholt ins Präsens, verwandelt sich den Erinnerungsprozess an, wenngleich dieser erklärtermaßen vom körperlichen Verfall geprägt ist. Unverblümt wie lakonisch räsoniert er: »Altwerden ist wirklich das Dümmste, was einem passieren kann. Fast so dumm, wie überhaupt geboren zu werden.«

Piwitts Texte wurden in zahlreichen Zeitungen und Magazinen publiziert, u.~a. in »konkret«, »Akzente« sowie »Sprache im technischen Zeitalter«. Als Writer-in-Residence war er an der University of Warwick sowie an der Swansea University in Wales. Er ist Mitglied des deutschen PEN-Zentrums. Piwitt lebt in Hamburg und Giano dell’Umbria.

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