10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Bahiyyih Nakhjavani  [ Iran, Frankreich ]

Biographie

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© Martine Caillard

Gast des ilb 2014.

Bibliographie

When We Grow Up

George Ronald Oxford, 1979

Asking Questions: A Challenge to Fundamentalism

George Ronald Oxford, 1990

Die Satteltasche

btb München, 2001 [Ü: Anette Grube]

PaperThe Dreams of A Scribe

Bloomsbury London, 2004

La Femme qui lisait trop

Actes SudArles, 2007[Ü: Christine Le Boeuf]

Bahiyyih Nakhjavani wurde 1948 im Iran geboren, wuchs in Uganda auf und studierte in den USA sowie in Großbritannien, dessen Staatsbürgerschaft sie schließlich annahm. Sie arbeitete in Kanada, den Vereinigten Staaten, Zypern, Israel, Afrika und Belgien, wo sie europäische und amerikanische Literatur unterrichtete.

Ihr Debüt als Schriftstellerin feierte sie 1979 mit dem Sachbuch »When We Grow Up« (Ü: Wenn wir groß werden) über Kindererziehung im Sinne des Bahá’í-Glaubens. Nakhjavani schrieb dieses Buch aus ihrer Erfahrung als eine diese Religion praktizierende Mutter. Nach drei weiteren Veröffentlichungen zu diesem Themenfeld (»Response«, 1981, »Four On an Island«, 1983, »Asking Questions. A Challenge to Fundamentalism«, 1990) erschien 2000 ihr erster Roman »The Saddlebag. A Fable for Doubters and Seekers« (dt. »Die Satteltasche«, 2001), der zu einem internationalen Bestseller avancierte. Die Handlung ist in der Mitte des 19.~Jahrhunderts in der Wüste zwischen Mekka und Medina angesiedelt und erzählt von den Abenteuern einer Satteltasche voller Schriftrollen, die von Hand zu Hand gereicht wird und das Schicksal all der Menschen verändert, die mit ihr in Berührung kommen. Der Leser erfährt dabei von den Ereignissen, die sich innerhalb von 24 Stunden am immer gleichen Ort zutragen, jeweils aus der Perspektive von neun verschiedenen Figuren. Rezensionen des Buchs betonen die Klarheit der Sprache, die gleichzeitig die Magie einer vergangenen, sagenhaften Welt durchscheinen lasse: »Mit ihrer Fabel von der ewigen Suche der Menschen nach dem Sinn des Lebens, vom ewigen Kreislauf des Werdens und Vergehens hat Bahiyyi Nakhjavani einen außergewöhnlichen Roman geschaffen, dessen Atmosphäre und Intensität zutiefst berührt« (»Lovely Books«). Die Zeitschrift »The London Times« verglich das Debüt der Autorin stilistisch mit dem Frühwerk Salman Rushdies, während »Publishers Weekly« Parallelen zu Geschichten von Michael Ondaatje zog, dessen Figuren ebenfalls aus auf den ersten Blick unvereinbaren Kulturen stammen, durch die Macht des Schicksals dann aber ihre alle Differenzen überbrückende Seelenverwandtschaft entdecken. Auch Nakhjavanis zweiter Roman »Paper. The Dreams of A Scribe« (2004; Ü: Papier. Die Träume eines Schreibers) wurde von der Kritik gefeiert u.~a. für die sorgfältige Konstruktion ihrer Erzählung von den Mühen eines Dichters, seine Worte zu Papier zu bringen – im doppelten Sinne, weil Papier in Asien im 19. Jahrhundert ein rares Gut darstellte. Zuletzt erschien 2007 der Roman »La Femme qui lisait trop« (Ü: Die Frau, die zu viel las), der u.~a. ins Spanische übersetzt wurde. 2015 erscheint er bei der Standford University Press.

Nakhjavani hält Vorträge über Kreatives Schreiben und den Bahá’í-Glauben. Die Université de Liège verlieh ihr einen Ehrendoktortitel. Sie lebt und unterrichtet gegenwärtig in Frankreich.

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