10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Anneke Brassinga  [ Niederlande ]

Biographie

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© Serge Ligtenberg

Gast des ilb 2014.

Bibliographie

Hartsvanger

De Bezige Bij

Amsterdam, 1993

Het zere been

De Bezige Bij

Amsterdam, 2002

Bloeiend puin

De Bezige Bij

Amsterdam, 2008

Das klopfende Herz des Textes

Gedichte und Essays

In: Schreibheft – Zeitschrift für Literatur

Nr. 72, 2009

Ontiij

De Bezige Bij

Amsterdam, 2010

Anneke Brassinga wurde 1948 in dem niederländischen Dorf Schaarsbergen geboren. An der Universität von Amsterdam studierte sie Übersetzungswissenschaft. Anschließend publizierte sie unter Pseudonym erste literarische Texte in diversen niederländischen Zeitschriften.

Sie übertrug u.~a. Werke von Jules Verne, Oscar Wilde, Ingeborg Bachmann, E. M. Foster, Samuel Beckett und Vladimir Nabokov ins Niederländische. Die Übersetzungsarbeit an Hermann Brochs Roman »Der Tod des Vergil« und Sylvia Plaths postum publizierter Lyriksammlung »Ariel« wirkte sich in Form von motivischen Anklängen wie auch hinsichtlich der experimentellen Ambition maßgeblich auf Brassingas ersten Gedichtband »Aurora« (1987) aus. Ihre poetische Sensibilität geht nach eigenen Auskünften auf eben jene idiosynkratische Lektüre zurück, welche für die Transposition von Bedeutung und Rhythmik eines Textes unabdingbar ist. Die Sprache sei demnach als eine »lebendige Substanz« zu begreifen, die stets ihre unwandelbare Autonomie bewahrt, so Brassinga in ihrem Essay »Das klopfende Herz des Textes«. Die eigenwillige Hinwendung zur Sprache selbst stellt gewissermaßen eine Balance zwischen den in der Imagination verhafteten Signifikanten und ursprünglich körperlich-sensuellen Erfahrungswelten her. Ebenso vereint sie Topoi barocker Dichtkunst mit der spielerischen Selbstreflexion der Postmoderne. Mittels Neologismen vermisst sie die Grenze zwischen Realität und künstlerischer Kreativität. Dergestalt macht sie nicht nur Schattierungen einzelner Wörter sichtbar, sondern entwirft zugleich eine Art erweiterte Etymologie. Nie scheint Brassinga bei ihrer originellen Symbiose literaturhistorischer Strömungen die Herausforderung des Lesers zu scheuen. Denn gerade die assoziativ beförderte Annäherung von Präzision und Obskurität birgt eine mögliche Beschwörung ekstatischer Zustände. »Das Gedicht spricht selbst, es entfaltet sich, wie Musik, im Geist des aufmerksamen Empfängers, der es in seinem Kopf entstehen hört und der wie eine Art Nimbus drum herum die Sprache spürt«, so Brassinga. Mit ihren exzellenten Sprachkenntnissen und dem umfangreichen, polyglotten Vokabular, dessen sie sich bei dem Ausloten von Befindlichkeiten, Naturzuständen und linguistischen Grenzen bedient, gilt sie als eine der renommiertesten Vertreterinnen der zeitgenössischen niederländischen Lyrik. Unter dem Titel »Wachtwoorden« (Ü: Kennwörter) erschienen 2005 ihre gesammelten Werke.

Zu Brassingas Auszeichnungen zählen u.~a. der Herman-Gorter-Preis (1990), der VSB-Poesiepreis (2002) sowie der Anna-Bijns-Preis (2005). 2008 wurde sie für ihr Gesamtwerk mit dem Constantijn-Huygens-Preis geehrt. Brassinga lebt in Amsterdam. Sie ist derzeit Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.

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