10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Ádám Bodor  [ Ungarn ]

Biographie

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© privat

Gast des ilb 2014.

Bibliographie

A tanú Irodalmi KönyvkiadóBukarest, 1969

Az Eufrátesz Babilonnál Szépirodalmi Kiadó Budapest, 1985

Schutzgebiet Sinistra AmmannZürich, 1994 [Ü: Hans Skirecki]

Der Besuch des Erzbischofs AmmannZürich, 1999 [Ü: Hans Skirecki]

A börtön szaga Magvető Budapest, 2001

Ádám Bodor wurde 1936 im siebenbürgischen Klausenburg (Cluj-Napoca im heutigen Rumänien) geboren. Seine Erfahrungen von religiöser und kultureller Vielfalt sowie von Armut trotz Arbeit prägten den Schriftsteller und später auch sein Werk ebenso wie die politische Einstellung seiner Eltern. Im Widerstand gegen die kommunistische Regierung glaubte Bodor bereits in seiner Jugend daran, dass seine Region als Transsilvanien unabhängig werden könnte, bis er mit siebzehn Jahren vom rumänischen Geheimdienst Securitate festgenommen wurde. Ab 1955 studierte er reformierte Theologie an der Universität in Cluj, war danach aber nie für die Kirche tätig, sondern zunächst als Archivar und Übersetzer, Lektor und Redakteur.

Nachdem Bodor bereits einige Novellen geschrieben und in rumänischen Zeitungen veröffentlicht hatte, feierte er mit einer Sammlung dieser Erzählungen unter dem Titel »A tanú« (1969; Ü: Der letzte Zeuge) sein Debüt als freier Autor. 1991 wurde er durch den Gewinn eines Wettbewerbs der Zeitschrift »Holmi« bekannt. Die dabei ausgezeichnete Novelle bildete die Grundlage für seinen ersten Roman »Sinistra körzet« (1992), der zwei Jahre später die erste deutsche Veröffentlichung des Autors wurde (»Schutzgebiet Sinistra«). Anhand der in dieser fiktiven Region lebenden Menschen entwickelt Bodor weniger eine stringente Handlung, sondern lässt gleichnishaft, aber immer mit grimmiger Ironie die korrumpierenden Mechanismen der totalitären politischen Systeme aufscheinen, die sich tief in der Mentalität osteuropäischer Länder verankert haben. Zugespitzt zeigt er so auch die Absurdität von »Ceauçescus surreal existierendem Sozialismus« (»Die Zeit«) auf, dem er damals nach Ungarn entkam, etwa wenn die Gefahr einer Epidemie des »tungusischen Fiebers« im Schutzgebiet Sinistra kurzerhand amtlich auf das nächste Jahr verschoben wird. 1999 folgte Bodors zweiter Roman »Az érsek látogatása« (dt. »Der Besuch des Erzbischofs«, 1999), in dem ein Mann in einem karpatischen Dorf die sterblichen Überreste seines Vaters umbetten lassen will, bevor dessen Ruhestätte wegen des angekündigten hohen Besuchs planiert wird. In einer »bedrückenden und beklemmenden Atmosphäre, wie sie nur im verlassensten Winkel Europas denkbar ist« (Ammann Verlag) wird die Hauptfigur sowohl von den Einwohnern des Dorfes als auch von der örtlichen Bürokratie nach und nach um Geld und Hoffnung gebracht. Zuletzt erschien das Buch »A börtön szaga« (2001; Ü: Der Geruch des Gefängnisses), in dem Bodor nicht nur von seinen Erlebnissen als Häftling berichtet, sondern auch, wie er zur Schriftstellerei kam.

Zu den zahlreichen Auszeichnungen, die Bodor erhielt, gehört der Kossuth-Preis (2003), die höchste staatliche Auszeichnung in Ungarn für Kunst und Kultur. Seit 1982 lebt Ádám Bodor in Budapest, Ungarn.

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