10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2013 / Tzveta Sofronieva

Tzveta Sofronieva  [ Bulgarien, Deutschland ]

Biographie

ldw.Sofronieva,Tzveta_portrait_c_Yves Noir, Bosch Stiftung_bedingt honorarfrei_bearbeitet.jpg
(c) Hartwig Klappert

Gast des ilb 2013.

Bibliographie

Chicago Blues

[Bulgarisch/Englisch]

SPO

Sofia,1992

Gefangen im Licht

[Bulgarisch/Deutsch]

Biblion

Marburg a. d. L., 1999

[Ü: Gabi Tiemann]

Eine Hand voll Wasser

Un Art Ig

Aschersleben, 2008

Diese Stadt kann auch weiß sein

Schiler

Berlin/Tübingen, 2010

Landschaften, Ufer

Hanser

München, 2013

www.tzveta-sofronieva.de

Tzveta Sofronieva wurde 1963 in Sofia geboren. 1986 schloss sie ihr Physikstudium ab und promovierte anschließend 1991 in Philosophie und Geschichte der Wissenschaften. Sie absolvierte zudem eine Poetry-Masterclass bei dem russisch-amerikanischen Literaturnobelpreisträger Joseph Brodsky. Lange Zeit arbeitete sie u.~a. als Kulturkorrespondentin von Radio Free Europe. Sofronieva spricht fünf Sprachen und verfasst ihre Texte auf Deutsch, Englisch und Bulgarisch.

So erschien ihr Gedichtband »Chicago Blues« (1992) in einer zweisprachigen Ausgabe. Bei all ihrer Beschäftigung mit dem Ephemeren, zeilengebundenen Erinnerungsfragmenten und Sehnsüchten besticht besonders Sofronievas an naturwissenschaftlicher Erkenntnis geschärfter poetischer Blick, der für ihre Gedichtbände, von »Empfangendes Gedächtnis« (1984) bis hin zu »Wahrnehmungen« (2006), charakteristisch ist. In »Die Einsamkeit der Biene« (2013) konfrontiert sie zudem eine übermächtige Vergangenheit mit der unmittelbaren Gegenwart ihrer lyrischen Kontemplation. In ihrem Band »Eine Hand voll Wasser« (2008) wie auch in ihrer Lyrikinstallation »My Cyborg Identity« (Boston, 2012) hinterfragt die Dichterin die Übersetzbarkeit von Bedeutungen, von Erfahrungen und Gefühlen. »Diese Stadt kann auch weiß sein« (2010) versammelt Sofronievas Erzählungen und Kurzgeschichten. In der titelgebenden Erzählung, ihrem ersten 1995 in deutscher Sprache abgefassten Text, wird die Verschwiegenheit der Einwohner und Passanten einer namenlosen Stadt beklagt; eine Stille, die wiederum zur individuellen, poetisch-essenziellen Kontemplation von Ort und Zeit führt.

In den neunziger Jahren initiierte Sofronieva ein Netzwerk von Autoren aus ganz Europa, die sich mit Themen der Erinnerung und Mehrsprachigkeit auseinandersetzen. Daraus entstand u.~a. die 2005 von ihr herausgegebene Anthologie »Verbotene Worte«. Die Autorin engagierte sich weiterhin für intermediale und multilinguale Kooperation und gab 2010 die Anthologie »11 9 Web Streaming Poetry« heraus, die dem 09.11. und 11.9. gewidmet ist und Gedichte von 119 internationalen Lyrikern und Lyrikerinnen enthält. Zuletzt veröffentlichte sie den erneut kulturelle und sprachliche Grenzen auflösenden Gedichtband »Landschaften, Ufer« (2013).

Sofronievas Werke sind u.~a. ins Französische, Englische, Finnische, Ungarische, Serbische sowie ins Usbekische übertragen worden. Für ihr dichterisches Schaffen erhielt Sofronieva mehrere Auszeichnungen, darunter den Preis der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften für Poesie (1988) und den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis (2009). Sie war Literaturstipendiatin an der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart (1996) und in der Villa Aurora in Los Angeles (2005), Author-in-Residence am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin und zuletzt 2012 Max-Kade-Stipendiatin am MIT in Cambridge. Sofronieva lebt in Berlin.

abgelegt unter: