10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2013 / Saud Alsanousi

Saud Alsanousi  [ Kuwait ]

Biographie

Alsanousi, Saud_portrait
(c) Hartwig Klappert

Gast des ilb 2013.

Bibliographie

Prisoner of the Mirrors

Arab Scientific Publishers

Beirut, 2010

The Bamboo Stalk

Arab Scientific Publishers

Beirut, 2012

Der kuwaitische Romancier und Journalist Saud Alsanousi wurde 1981 geboren. Die Motivation für sein Schreiben liegt in der Möglichkeit, in der Literatur schmerzliche Erfahrungen zu verarbeiten und zu vermitteln: »Ich wollte den Leser verletzen, er sollte dieselbe schmerzliche Erfahrung machen wie ich, Empathie entwickeln und dann versuchen, ein Heilmittel zu finden.« Literarisch fühlt er sich keiner bestimmten Richtung zugehörig, profitierte aber von der Lektüre arabischer und internationaler Schriftsteller verschiedener Genres.

2010 debütierte er mit dem Roman »The Prisoner of the Mirrors« (Ü: Der Gefangene der Spiegel), der mit dem Leila Othman Prize geehrt wurde. 2011 gewann seine Kurzgeschichte »The Bonsai and the Old Man« (Ü: Der Bonsai und der alte Mann) den Wettbewerb »Stories on the Air«, der von der Zeitschrift »Al-Arabi« und der BBC Arabic organisiert wurde. Mit seinem Roman »The Bamboo Stalk« (2012; Ü: Der Bambusstock) gewann er den kuwaitischen Staatspreis für Litetatur 2012 und als jüngster Preisträger den renommierten International Prize for Arabic Fiction 2013. Im Kontext des Lebens ausländischer Gastarbeiter in arabischen Ländern widmet sich das Buch der Frage nach der eigenen Identität. Die junge Josephine lässt in den Philippinen ihre Familie zurück und gibt ihr Studium auf, um in Kuwait eine bessere Zukunft zu suchen. Sie verdingt sich als Haushälterin, verliebt sich in Rashid und wird schwanger. Da Rashid sie und den gemeinsamen Sohn José verlässt, muss sie in die Philippinen zurückkehren. Dort wächst José in großer Armut auf, bis er sich 18-jährig auf die Suche nach seinem Vater und damit auch nach seiner Identität, Religion und einer Zugehörigkeit nach Kuwait begibt. An dieser Stelle nimmt der Leser das Leben in der Golfregion aus dem Blickwinkel des Philippiners wahr, eines Gastarbeiters, der eine Randexistenz in einer sich abgrenzenden Gesellschaft führt. Stilistisch wählt Alsanousi dafür eine einfache, unpoetische Sprache ohne Affektiertheit, die der sozialen Herkunft des Protagonisten entspricht. Sein Text kann als Appell an das humanitäre Empfinden verstanden werden: »Ein Mensch ist immer ein Mensch, egal woher er kommt oder wohin er geht, unabhängig von Kultur, Religion, Natur oder Verhalten. Verschiedene Menschen haben verschiedene Verhaltensmuster, Gewohnheiten, Erfahrungen, Traditionen, Religionen und Ideale. Der Roman versucht eine Fusion, die alle diese Unterschiede hinter sich lässt.« Alsanousi hatte in Vorbereitung auf das Schreiben die Philippinen bereist, um ein wirklichkeitsgetreues Porträt seines Protagonisten José zeichnen zu können. Sein Roman richtet sich in erster Linie an seine kuwaitischen Landsleute, die Figur des José wurde für ihn dabei zu einem Instrument, um die Immigrantenfrage aufzuwerfen und gleichzeitig eine universelle Geschichte zu erzählen.

Saud Alsanousi schreibt für verschiedene kuwaitische Zeitungen und Zeitschriften wie »Al-Watan«, »Al-Arabi« und »Al-Qabas« und lebt in Kuwait.

abgelegt unter: