10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Robert Schindel  [ Österreich ]

Biographie

ldw.Schindel, Robert_portrait_c_Aleksandra Pawloff,Suhrkamp Verlag_ bedingt honorarfrei_bearbeitet.jpg
(c) Ali Ghandtschi

Gast des ilb 2013.

Bibliographie

Gebürtig

Suhrkamp

Frankfurt a.~M., 1992

Kassandra

Haymon

Innsbruck, 2004

Mein mausklickendes Saeculum

Gedichte

Suhrkamp

Frankfurt a.~M., 2008

Man ist viel zu früh jung

Essays und Reden

Jüdischer Verlag

Berlin, 2011

Der Kalte

Suhrkamp

Berlin, 2013

Robert Schindel wurde 1944 in der oberösterreichischen Gemeinde Bad Hall in der Nähe von Linz geboren. Als Sohn jüdischer Kommunisten überlebte er den Nationalsozialismus unter falschem Namen im jüdischen Kinderspital in Wien. Sein Vater wurde in Dachau ermordet. Seine Mutter überlebte die Konzentrationslager von Auschwitz und Ravensbrück. Nachdem er die Schule abgebrochen hatte, begann Schindel eine Lehre in einer Verlagsbuchhandlung. Seine Matura holte er 1967 nach und studierte im Anschluss Philosophie. Er engagierte sich in der Studentenbewegung und veröffentliche erste Texte. Mit »Kassandra« (1970) gab er sein Romandebüt – ein Text, der zunächst in der von Schindel mitbegründeten Zeitschrift »Hundsblume« erschien. Dieser frühe Prosatext ist durchsetzt von Dialogen, Zitaten, autobiografischen Erinnerungen und Illustrationen. Gerade wegen seiner avantgardistischen Form bzw. Formlosigkeit ist der Roman als ästhetisches Experiment ein präzises Zeitbild von Schindels Generation um 1968. Bevor er freier Schriftsteller wurde, arbeitete Schindel in verschiedensten Berufen, u.~a. als Bibliothekar und Redakteur bei der Nachrichtenagentur AFP.

Er veröffentliche zahlreiche Gedichtbände, Essays und Erzählungen. Anhand einer Vielzahl von Figuren, deren Schicksale alle mehr oder minder miteinander verknüpft sind, erzählt er in seinem zweiten Roman »Gebürtig« (1992) von Holocaust und Gegenwart und den unmöglichen Versuchen, der Vergangenheit zu entfliehen. 2001 wurde der Roman nach einem Drehbuch, das in Zusammenarbeit mit George Stefan Troller entstand, unter der Regie von Lukas Stepanik und dem Autor selbst verfilmt. Schindels dritter Roman »Der Kalte« (2013) beleuchtet die späten 1980er Jahre, im Speziellen die Waldheim-Affäre. Abermals multiperspektivisch, jedoch mit der Neuerung, dass ein Teil der Protagonisten sowohl in der dritten als auch in der ersten Person auftritt, zeichnet der Autor mit Elementen des Schlüsselromans ein breites und eindringliches Stadtpanorama, in dessen Mittelpunkt die Figur des stillen Edmund Fraul steht, eines Auschwitz-Überlebenden, der von dem Erlebten und einer permanenten Angst geprägt ist.

Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit organisierte Schindel Schreibwerkstätten und gibt als Professor am Institut der Sprachkunst der Universität für angewandte Kunst in Wien zur Analyse wie auch zum eigenen Verfassen von Texten Lehrveranstaltungen. Er wurde u.~a. mit dem Literaturpreis der Stadt Wien (2003), dem Willy und Helga Verkauf-Verlon Preis (2005), dem Jakob-Wassermann-Literaturpreis (2007) und dem Kulturpreis des Landes Oberösterreich (2009) ausgezeichnet. Schindel lebt in Wien.

[http://www.schindel.at/]

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