10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Rafael Cardoso  [ Brasilien ]

Biographie

Cardoso, Rafael_portrait
c. privat

Gast des ilb 2013.

Bibliographie

Bibliographie Rafael Cardoso

A Maneira Negra

Record

Rio de Janeiro, 2000

Controle Remoto

Record

Rio de Janeiro, 2002

Design para um mundo complexo

Cosac&Naif

São Paulo, 2012

Sechzehn Frauen. Geschichten aus Rio

S. Fischer

Frankfurt a.M., 2013

[Ü: Peter Kultzen]

Rafael Cardoso wurde 1964 in Rio de Janeiro geboren. Er wuchs in den Vereinigten Staaten auf und promovierte in Kunstgeschichte am Londoner Courtauld Institute of Art. Neben seiner Tätigkeit als Kurator hatte er u.~a. einen Lehrauftrag als Professor an der staatlichen Universität Rio de Janeiros. Er publizierte zahlreiche Bücher, vornehmlich zur Design- und Kunstgeschichte in Brasilien, darunter »Art and the Academy in the Nineteenth Century« (2000; Ü: Kunst und akademische Rezeption im 19. Jahrhundert), »Uma introdução à história do design« (2008; Ü: Eine Einführung in die Designgeschichte), »A arte brasileira em 25 quadros (1790–1930)« (2008; Ü: Brasilianische Kunst in 25 Bildern) sowie »Impresso no Brasil« (2009; Ü: Gedruckt in Brasilien), einen reich bebilderten Band zu den Höhepunkten der grafischen Sammlung der brasilianischen Nationalbibliothek, und zuletzt »Design para um mundo complexo« (2012; Ü: Design für eine komplexe Welt).

Gleichzeitig schreibt Cardoso literarische Texte. Sein Debüt gab er mit »A maneira negra« (2000; Ü: Schwarzkunst), bestehend aus der titelgebenden Novelle und der Kurzgeschichte »Blecaute« (Ü: Blackout). Beide Texte erzeugen durch die Beschreibung nächtlicher Schauplätze, persönlicher Verluste und urbanen Verfalls ein finsteres Bild Rio de Janeiros und zugleich ein zeitgenössisches, literarisches Äquivalent zu jener Melancholie, die einem Film Noir innewohnt. Es folgte der Roman »Controle remoto« (2002; Ü: Fernbedienung), in welchem der Mord aus Leidenschaft an einer Fernsehmoderatorin in einer Kettenreaktion das Leben einer ganzen Familie verändert. Cardoso collagiert diverse Textsorten wie Brief, Tagebuch und Zeitungsausschnitte, sodass die Grenze zwischen Realität und Fiktion verschwimmt und der Einfluss der Medien auf das Privatleben im Zeitalter der Promis auf den Prüfstand gestellt wird. »Entre as mulheres« (2007; dt. »Sechzehn Frauen. Geschichten aus Rio«, 2013), ein Roman aus Kurzgeschichten, ist ein polyfones Porträt verschiedenster Frauen und zugleich ein Panorama von Rio de Janeiro. Cardosos Aufmerksamkeit gilt den Träumen und Passionen seiner weiblichen Figuren. Dadurch wird offenbar, dass die Empathie die Grundvoraussetzung seines Erzählens ist. Die Episoden mögen zwar durch die gesamte Metropole mäandern, vom Zentrum bis in die Vororte, von den Favelas an den Strand der Copacabana, und dennoch sind die Erlebnisse der Protagonistinnen geschickt miteinander verknüpft. Inzwischen arbeitet Cardoso an einem Buch über die Flucht seiner Familie aus Berlin nach Frankreich und weiter nach Brasilien. Darin beschäftigt er sich im Speziellen mit seinem Urgroßvater, dem Politiker, Bankier und Kunstsammler Hugo Simon, der 1933 ins Exil ging. Cardoso wird zudem Ehrengast der Frankfurter Buchmesse mit dem diesjährigen Schwerpunkt Brasilien sein. Er lebt derzeit in Berlin.

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