10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Liao Yiwu  [ China, Deutschland ]

Biographie

Portrait Liao
© Ali Ghandtschi

Gast des ilb 2010, 2011, 2012, 2013, 2015, 2016.

Bibliographie

Für ein Lied und hundert Lieder

Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen

S. Fischer

Frankfurt a. M., 2011

[Ü: Hans Peter Hoffmann]

Erinnerung, bleib

[Texte/Musik/Film]

[Begleittexte v. Herta Müller u. Susanne Messmer]

Lieblingsbuch/Fly Fast Publishing

Berlin, 2012

Die Dongdong-Tänzerin und der Sichuan-Koch

Geschichten aus der chinesischen Wirklichkeit

S. Fischer

Frankfurt a. M., 2013

[Ü: Hans Peter Hoffmann]

Gott ist rot

Geschichten aus dem Untergrund

Verfolgte Christen in China

S. Fischer

Frankfurt a. M., 2014

[Ü: Hans Peter Hoffmann]

Die Wiedergeburt der Ameisen

Roman

S. Fischer

Frankfurt a. M., 2016

[Ü: Karin Betz]

Liao Yiwu wurde 1958 im Kreis Yanting der chinesischen Provinz Sichuan geboren. Nach der Sekundarschulzeit reiste er durch China und arbeitete in dieser Zeit nicht nur als Koch sowie Lastwagenfahrer, sondern beschäftigte sich auch intensiv mit westlicher Lyrik und verfasste erste eigene Gedichte.

In den achtziger Jahren wurde er zu einem der bekanntesten jungen Poeten in China; da jedoch einige seiner Werke in Zeitschriften des literarischen Untergrunds erschienen, setzten ihn die Behörden 1987 auf die Schwarze Liste. Zwei Jahre später schrieb Liao das Gedicht »Massacre« über die Niederschlagung des Volksaufstands am Tian’anmen-Platz, das seit 2012 in dem Band »Massaker. Frühe Gedichte« auch auf Deutsch vorliegt. 1990 wurde der Autor für seinen Film »Totenmesse« (1989) über die Ereignisse zu vier Jahren Haft verurteilt, die er später in dem Buch »Für ein Lied und hundert Lieder. Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen« (2011) verarbeitete. Internationaler Druck führte zu einer vorzeitigen Entlassung, doch der psychischen und physischen Gewalt, der Liao als Häftling ausgesetzt war, folgten nun soziale Isolation und gesellschaftliche Ächtung. Die Erfahrung, sich als Ausgestoßener von einem Gelegenheitsjob zum anderen zu hangeln, fand ihren Ausdruck in dem Buch »Interviews with People from the Bottom Rung of Society« (2001; dt. »Fräulein Hallo und der Bauernkaiser«, 2009), das zunächst in einer bereinigten Version in seinem Heimatland publiziert und von der Kritik u.~a. als »historische Dokumentation des heutigen China« gelobt, dann von den Behörden aber verboten wurde. 2002 erschien eine Originalausgabe in einem taiwanesischen Verlag; Übersetzungen u.~a. ins Englische und Französische machten Liao schließlich international bekannt. Nachdem es dem politisch aktiven Autor jahrelang verboten gewesen war, ins Ausland zu reisen, wurde ihm 2010 die Teilnahme am internationalen literaturfestival berlin gestattet. Nur ein Jahr später verboten ihm die Behörden jedoch, seine Werke im Ausland vorzutragen oder zu veröffentlichen. 2011 gelang Liao daraufhin die Flucht über Vietnam nach Deutschland, wo er bis heute im Exil in Berlin lebt. Sein Werk »Gott ist rot. Geschichten aus dem Untergrund~– Verfolgte Christen in China« (2014) gibt einer Minderheit eine Stimme, die trotz aller Repressalien seit vielen Generationen an ihrem Glauben festhält und offiziell totgeschwiegen wird. Der Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo bemerkte dazu: »Liaos Texte über die Christen lassen die Wahrheit im Dunkeln leuchten; das macht die Schönheit seines Schreibens aus.« Im August 2016 erschien sein erster Roman »Die Wiedergeburt der Ameisen«.

Auch die Jury, die Liao 2012 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels zusprach, lobte in ihrer Begründung, der Autor begehre »sprachmächtig und unerschrocken gegen die politische Unterdrückung auf« und setze »Menschen am Rand der chinesischen Gesellschaft ein aufrüttelndes literarisches Denkmal«.

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