10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
Sie sind hier: Startseite / Archiv / Teilnehmer / / 2013 / Jeet Thayil

Jeet Thayil  [ Indien ]

Biographie

Thayil, Jeet_portrait
(c) Ali Ghandtschi

Gast des ilb 2013.

Bibliographie

Gemini

Viking

Neu-Delhi, 1992

Apocalypso

Aark Arts

London, 1997

English

Rattapallax Press, Penguin

New York, Dehli 2004

These Errors Are Correct

Westland & Tranquebar Press

Neu-Delhi, 2008

Narcopolis

Penguin

New York, 2012

Jeet Thayil wurde 1959 im Bundesstaat Kerala im Südwesten Indiens geboren. Er ist der Sohn von T.~J.~S. George, einem angesehenen Autor, Kolumnisten und Lektor. Durch dessen zahlreiche Aufenthalte u.~a. in China und den USA besuchte Thayil Schulen in Hongkong, New York und Mumbai. Am renommierten Sarah Lawrence College, im Westchester County nördlich von New York City, schloss er mit einem Master in den bildenden Künsten ab.

Bereits in seiner Jugend begann Thayil zu dichten. Er veröffentlichte vier Gedichtbände, darunter »Gemini« (1992), »Apocalypso« (1997) und »These Errors Are Correct« (2008). Seine stimmungsvolle und autobiografisch geprägte Lyrik greift sowohl klassische Motive als auch zeitgeschichtliche Ereignisse auf. So wird in dem beinah narrativen Gedichtzyklus »English« (2004) das unmittelbare Erleben der Anschläge vom 11. September aufgriffen. Was Thayil unterscheidet vom Gros der zeitgenössischen indischen Autoren, ist im Besonderen seine Unerschrockenheit, sich mit tabuisierten Themen wie Rauschmittel, Sex, Tod und urbanem Verfall auseinanderzusetzen. Sein Debütroman »Narcopolis« (2012) rekurriert auf Thayils eigene Erfahrungen mit Drogen- und Alkoholsucht. Halluzinatorisch und ernüchternd zugleich porträtiert er, von den siebziger Jahren bis in die Gegenwart, verschiedenste Figuren und nicht zuletzt die Stadt Mumbai in einem dichten Opiumnebel, dessen betäubende Wirkung ebenso auf die Prosa übergreift. Dies brachte Thayil Vergleiche mit De Quinceys berühmten »Confessions of an English Opium Eater« über William S. Burroughs bis hin zu der fiebrigen Prosa von Hubert Selby Jr. und Roberto Bolaño ein. Fernab nostalgisch beschönigender Klischees zeigt er die ausufernde Metropole, der man sich, so Thayil, ohnehin besser über das Groteske und Ambivalente annähert. Außerdem verfasste er das Libretto für die 2012 uraufgeführte Oper »Babur in London«, in welcher die Mitglieder einer Terrorzelle in einem Londoner Vorort vom Geist Baburs, des Begründers des Mongulreichs, heimgesucht werden und mit ihm in einen Dialog treten. Neben seiner Tätigkeit als Dichter, Journalist und Musiker gab er mehrere Anthologien zeitgenössischer indischer Lyrik heraus, u.~a. »The Bloodaxe Book of Contemporary Indian Poets« (2008) und »60 Indian Poets« (2008).

Für »Narcopolis« wurde Thayil u.~a. auf die Shortlist des Man Booker Prize 2012, des Man Asian Literary Prize 2012 sowie des Hindu Literature Prize 2013 gesetzt und erhielt 2012 als erster indischer Autor den mit 50.000 US-Dollar dotierten DSC Prize for South Asian Literature. Für seine künstlerische Tätigkeit erhielt er ebenfalls mehrere Stipendien und Preise, u.~a. von der Rockefeller Foundation, der New York Foundation for the Arts, dem Swiss Arts Council sowie dem British Council. Thayil lebt in Bangalore.

abgelegt unter: