10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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J. M. Coetzee  [ Australien ]

Biographie

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© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2013.

Bibliographie

Leben und Zeit des Michael K.

Hanser

München, 1986

[Ü: Wulf Teichmann]

Schande

S. Fischer

Frankfurt a.~M., 2000

[Ü: Reinhild Böhnke]

Elizabeth Costello

Acht Lehrstücke

S. Fischer

Frankfurt a.~M., 2004

[Ü: Reinhild Böhnke]

Tagebuch eines schlimmen Jahres

S. Fischer

Frankfurt a.~M., 2008

[Ü: Reinhild Böhnke]

Die Kindheit Jesu

S. Fischer

Frankfurt a.~M., 2013

[Ü: Reinhild Böhnke]

John Maxwell Coetzee wurde 1940 in Kapstadt geboren. Er studierte Mathematik und Englisch an der University of Cape Town. In London arbeitete er als Computerprogrammierer, bevor er an der University of Texas in Linguistik über Samuel Beckett promovierte. Anfang der siebziger Jahre kehrte er nach Südafrika zurück, wo er an der University of Cape Town lehrte. 2002 emigrierte er nach Australien.

Sein Debüt »Dusklands« (1974) spiegelt anhand separater Erzählungen den Vietnamkrieg mit den Grausamkeiten des Kolonialismus im Südafrika des 18.~Jahrhunderts. Auch in den beiden folgenden Romanen »In the Heart of the Country« (1977; dt. »Im Herzen des Landes«, 1987) und »Waiting for the Barbarians« (1980; dt. »Warten auf die Barbaren«, 1984) ergründet er die verheerenden individuellen Konsequenzen von Kolonialherrschaft, bevor er sich mit »Life & Times of Michael K« (1983; dt. »Leben und Zeit des Michael K.«, 1986), »Age of Iron« (1990; dt. »Eiserne Zeit«, 1995) und »Disgrace« (1999; dt. »Schande«, 2000) explizit mit der Apartheid auseinandersetzte. Coetzees Prosa zeichnet sich durch seinen erzählerischen Scharfblick aus, der ethische Dilemmata und fatale Auswirkungen vermeintlich wohlmeinender Intentionen sichtbar macht. Seine tiefe Kenntnis literarischer Traditionen ist Ausgangspunkt für formale Experimente. Seine autobiografische Trilogie – »Boyhood« (1997; dt. »Der Junge«, 1998), »Youth« (2002; dt. »Die jungen Jahre«, 2002) und »Summertime« (2009; dt. »Sommer des Lebens«, 2010) – unterminiert die traditionelle Form der Memoiren, indem Coetzee sich das eigene Leben in der dritten Person anverwandelt und dadurch die Fiktionalität einer jeden Lebenserzählung herausstellt. Mit den nach einer wiederkehrenden Protagonistin »Elizabeth Costello« (2003; dt. »Elizabeth Costello, 2004) betitelten »Lehrstücken« leistete Coetzee, der sich in der australischen Tierrechtsorganisation Voiceless engagiert, einen literarischen Beitrag zum tierethischen Diskurs. Sein jüngster Roman »The Childhood of Jesus« (2013; dt. »Die Kindheit Jesu«, 2013) evoziert in einem ebenso enigmatischen wie utopischen Szenario abermals die allegorische Dimension seiner Frühwerke. Im Zentrum der theoretischen Exkurse politischer, philosophischer und literaturhistorischer Natur steht letztlich sein fortwährendes Nachsinnen über Sprache. Seine Korrespondenz mit Paul Auster, gesammelt in dem Band »Here and Now« (2013), gibt Einblicke in einen regen Gedankenaustausch und enthält autobiografische Fragmente; so gibt ein vorzeitig in einem Remis beendetes Schachspiel während einer Überfahrt in die USA Anlass für eine Reflexion über Konkurrenzdenken, Sport und Literatur.

2003 wurde Coetzee der Literaturnobelpreis verliehen. Zudem ist er zweifacher Preisträger des Booker Prize (1983 und 1999). 2011 erwarb das renommierte Harry Ransom Center in Austin, Texas, sein Archiv, das dort der Öffentlichkeit zugänglich ist. Coetzee lebt in Adelaide.