10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Ingrid Bachér  [ Deutschland ]

Biographie

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(c) Hartwig Klappert

Gast des ilb 2013.

Bibliographie

Die Tarotspieler

Rasch und Röhring

Hamburg, 1986

Sieh da, das Alter

Dittrich Verlag

Berlin, 2003

Der Liebesverrat

Dittrich Verlag

Berlin, 2005

Die Grube

Dittrich Verlag

Berlin, 2011

Theodor Storm fährt nach Würzburg und erreicht seinen Sohn nicht, obwohl er mit ihm spricht

Dittrich Verlag

Berlin, 2013

Ingrid Bachér wurde 1930 in Rostock geboren und ist in Berlin und Lübeck aufgewachsen. Sie ist eine Urenkelin von Theodor Storm. Sie studierte an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg und arbeitete währenddessen als Journalistin. Nebenbei verfasste sie Theaterstücke für Kinder. In den 1950er unternahm sie Reisen u.a. nach Kuba, Südamerika und Finnland. Ihr Debüt gab sie 1958 mit der Erzählung »Lasse Lar oder Die Kinderinsel«. In der Folge nahm sie an den Sitzungen der Gruppe 47 teil. Zwischen 1960 und 1967 lebte sie in Rom, später in München, Krefeld und Düsseldorf. Sie verfasste Skripte für Hör- und Fernsehspiele sowie zahlreiche Erzählungen, Kinderbücher und Romane. In »Sieh da, das Alter — Tagebuch der Annäherung« (2003) protokollierte sie über ein halbes Jahr hinweg ihre Gedanken und Betrachtungen zum Alter. Ihre assoziativen, subjektiven und poetischen Aufzeichnungen konfrontieren die gern verdrängte, doch unausweichliche eigene Vergänglichkeit: »Noch hoffte ich, nicht alt zu erscheinen, trug leuchtend farbige Schals und mischte mich unter die Jungen. Dabei hatte ich die Grenze längst überschritten. Ich meinte zu wissen, dass das Alter ein rauer Landstrich ist, in dem Einsamkeit und Krankheit drohen und Zukunft ein Wort ist, das sich mit dem Tod verbindet. Doch wusste ich nicht wirklich, was mich erwartet«, so Bachér zu Beginn ihrer literarischen Selbstanalyse, in welcher sie mitunter die beständige Differenz zwischen der äußeren Wahrnehmung und ihrer eigenen hinterfragt. In ihrem jüngst publizierten Roman »Theodor Storm fährt nach Würzburg und erreicht seinen Sohn nicht, obwohl er mit ihm spricht« (2013) verdichtet und fiktionalisiert Bachér, basierend auf authentischen Materialien, den Familien- und Generationenkonflikt ihrer fernen Verwandten. Novellenhaft konzipiert — gemäß jener von Storm präferierten Prosagattung —, beleuchtet Bachérs Werk die biographischen Hintergründe des Disputs zwischen Theodor und seinem Sohn Hans Woldsen, der wiederum oft als Ausgangspunkt für die Novellen »Hans und Heinz Kirch« oder »Carsten Curator« interpretiert wird. Das literarische Psychogramm lässt sich gleichwohl als eindringliches Zeitbild betrachten, wobei beide Lesarten Ambivalenzen, sowohl in der Gesellschaft als auch in der patriarchalischen Persönlichkeit des Schriftstellers und Richters Storm, offenbaren. Ab 1982 war Bachér Mitglied des westdeutschen PEN-Zentrums; von 1995 bis zu ihrem Austritt 1996 auch dessen Präsidentin. Von 2002 bis 2004 war sie erste Vorsitzende der Heinrich-Heine-Gesellschaft in Düsseldorf. Sie wurde u.a. mit einem Stipendium der Villa Massimo in Rom (1960), dem Förderpreis der Stadt Düsseldorf (1961), dem Märkischen Stipendium für Literatur (1982), dem Literaturpreis des Bonner GEDOK (1986) sowie dem Ferdinand-Lange-Kulturpreis (1995) ausgezeichnet. Bachér lebt in Düsseldorf und Italien.