10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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In Koli Jean Bofane  [ Kongo, Belgien ]

Biographie

In Koli Jean Bofane_portrait
(c) Hartwig Klappert

Gast des ilb 2013.

Bibliographie

Warum der Löwe nicht mehr König der Tiere ist

Peter Hammer

Wuppertal, 1996

[Ü: Lev]

Bibi et les canards

Éditions du Carrousel

Paris, 2000

Sinusbögen überm Kongo

Horlemann

Berlin, 2013

[Ü: Katja Meintel]

In Koli Jean Bofane wurde 1954 in Mbandaka in der Demokratischen Republik Kongo (ehemals Zaïre) geboren. Mit sechs Jahren kam er nach Belgien und lebte bis 1983, dem Jahr seiner Rückkehr in die D. R. Kongo, sowohl in Belgien als auch in Afrika. Nach einem Studium der Kommunikationswissenschaften arbeitete Bofane in der Werbebranche und gründete 1991 einen Verlag (Publications de l’Exocet), der sich u.~a. satirischen Comics und Reportagen über soziale Themen sowie journalistischen Essays widmete. Wegen zunehmender Maßregelung im Verlagswesen und Unterdrückung der Pressefreiheit in seinem Land entschloss sich Bofane 1993, wie viele Schriftsteller des Landes, Zaïre zu verlassen und im belgischen Exil seinen Beruf auszuüben sowie sich der Literatur zuzuwenden.

Bofanes erstes Werk, die Diktatoren-Persiflage »Pourquoi le lion n’est plus le roi des animaux« (dt.: »Warum der Löwe nicht mehr König der Tiere ist«, 1996), wurde 1996 bei Gallimard veröffentlicht und mit dem Prix de la Critique de la Communauté française de Belgique ausgezeichnet. 2000 erschien »Bibi et les canards« (Ü: Bibi und die Enten) zum Thema Migration – auch dieses Buch wurde in knapp ein Dutzend Sprachen übersetzt. Bofanes aktuellstes Werk »Les mathématiques congolaises« (dt.: »Sinusbögen überm Kongo«, 2013) erschien 2008. Der Roman handelt von Célio, einem jungen Mann, der in Kinshasa hart arbeitet, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Célio rettet aus der Hinterlassenschaft seines Vaters, der auf der Flucht im Bürgerkrieg getötet wird, ein altes Mathematik-Schulheft und flüchtet in die Welt der Theoreme und Axiome. Aus diesen leitet Célio, von seinen Freunden »Célio Mathematik« genannt, Formeln ab und schafft sich eine eigene Formelwelt, mit der er die komplexe Situation im Kongo erklären und den chaotischen Lauf der Dinge ordnen möchte. So soll die turbulente und undurchsichtige Gegenwart berechenbarer werden und die institutionalisierte Wirrnis in eine geregelte Bahn gelenkt werden. Mit zynischem Humor und rebellischem Esprit schafft es Bafone, die drastischen Umstände des Landes darzustellen. Dem Leser bietet er mit bildreicher und melodischer Sprache einen besonderen Einblick in den Rhythmus des Alltags in den Straßen Kinshasas.

Der Roman wurde mit dem Prix Jean Muno (2008) sowie mit dem Prix littéraire de la SCAM (2009) und dem Grand Prix littéraire de l'Afrique noire (2009) ausgezeichnet. Der Autor lebt in Brüssel.

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