10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Hussain Al-Mozany  [ Irak ]

Biographie

ldw.al-mozany, hussain_portrait_c_Yves Noir_honorarfrei.jpg
(c) Ali Ghandtschi

Gast des ilb 2013.

Bibliographie

Der Marschländer

Bagdad, Beirut, Berlin

Glaré

Frankfurt a.~M., 1999

Mansur oder Der Duft des Abendlandes

Reclam

Leipzig, 2002

Spiegelschriften

Neue arabische Literatur

Haus der Kulturen der Welt

Berlin, 2003

Das Geständnis des Fleischhauers

Schiller

Berlin/Tübingen, 2007

Parallelwelten

Thelem

Dresden, 2011

Hussain Al-Mozany wurde 1954 in der irakischen Stadt Amarah geboren und wuchs in Bagdad auf. Er verließ sein Land 1978 aus politischen Gründen und ging in den Libanon, wo er in Beirut als Journalist arbeitete. Im Jahr 1980 kam er nach Deutschland und studierte Islamistik, Germanistik und Publizistik an der Universität Münster. Nach einem Forschungsaufenthalt in Kairo schloss er sein Studium mit einer Abhandlung über den ägyptischen Literaturnobelpreisträger Nagib Mahfuz ab. Anschließend unterrichtete er u.~a. Arabisch an diversen Sprachinstituten und war als Journalist für verschiedene arabische und deutsche Tageszeitungen tätig.

1989 veröffentlichte er erste Gedichte in deutscher Sprache in der von Anja Tuckermann herausgegebenen Anthologie »In die Flucht geschlagen. Geschichte aus dem bundesdeutschen Asyl«. In arabischer Sprache verfasste er wiederum die folgenden, unter dem Titel »Herbst der Städte« erschienenen Kurzgeschichten und den Erzählband »Der Wächter des entrückten Imams« sowie den Roman »Das Geständnis des Fleischhauers«. Wie viele von Al-Mozanys Erzählungen ist auch dieser zwischen Deutschland und der arabischen Welt angesiedelt. Der Icherzähler legt eine Lebensbeichte ab, ein im deutschen Exil lebender Schächter, der »seine ihm allmählich unheimlich werdende Verdeutschung abschütteln« möchte, nach Ägypten reist und schließlich, desillusioniert und von Wahnvorstellungen gequält, einen Mord begeht. Die deutsche Sprache »buchstäblich als Haus seines entwurzelten Daseins« betrachtend, entschloss sich Al-Mozany fortan auch seine literarischen Werke auf Deutsch zu verfassen. So gab er 1999 mit »Der Marschländer. Bagdad, Beirut, Berlin« sein deutschsprachiges Debüt. Darin demonstriert er feinsinnig und mit einer durchdachten narrativen Struktur die individuelle Überwindung von geografischen Grenzen wie auch kulturellen Disparitäten und verortet in ebenjenen literarisch geschaffenen Freiräumen die Essenz seiner schriftstellerischen Tätigkeit. In »Mansur oder Der Duft des Abendlandes« (2002) erzählt er die Geschichte eines irakischen Soldaten, der nach Deutschland reist mit dem Vorsatz, seine historischen Rechte in diesem Land wiederzuerlangen. Der Autor persifliert in diesem Roman auf hintersinnige Weise bürokratische Absurditäten und Orientklischees des Westens.

Neben seiner schriftstellerischen Arbeit ist Al-Mozany auch als Journalist und Übersetzer tätig und übertrug u.~a. Texte von Ingeborg Bachmann, Gottfried Benn, Günter Grass, Robert Musil, Rainer Maria Rilke, Walter Benjamin, Elias Canetti und Jürgen Habermas ins Arabische. 2003 wurde er mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet und übernahm 2009 die Chamisso-Poetikdozentur an der TU Dresden. Die Vorlesungstexte, in denen er seine Exilerfahrungen, seine schriftstellerische Identität und künstlerische wie ethische Fragestellungen reflektiert, sind in dem Band »Parallelwelten« (2011), ergänzt durch weitere Essays, versammelt.

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