10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Helene Hegemann  [ Deutschland ]

Biographie

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(c) Hartwig Klappert

Gast des ilb 2013.

Bibliographie

Axolotl Roadkill

Ullstein

Berlin, 2010

Jage zwei Tiger

Hanser Berlin

Berlin, 2013

Helene Hegemann wurde 1992 in Freibug im Breisgau geboren. Früh begann sie mit dem Schreiben von Prosa- und Bühnentexten. 2007 wurde ihr Theaterstück »Ariel 15 — oder die Grundlagen der Verlorenheit« im Berliner Ballhaus Ost uraufgeführt. Im folgenden Jahr wurde das Stück vom Deutschlandradio zudem als Hörspiel bearbeitet. 2008 feierte ebenfalls der Film »Torpedo«, für welchen sie das Drehbuch verfasste und Regie führte, auf den Hofer Filmtagen seine Premiere und wurde mit dem Max-Ophüls-Preis für mittellange Filme prämiert. Darin erzählt sie von der fünfzehnjährigen Mia, die nach dem Tod ihrer Mutter zu ihrer Tante nach Berlin zieht, wo sie mitunter in Kontakt mit der Theaterszene kommt. Mit Gastauftritten diverser Berliner Bühnendarsteller zeichnet sie aus jugendlicher Perspektive ein selbstironisches Porträt des Kulturbetriebs wie auch des Identitätsfindungsprozesses der Protagonistin. Als Akteurin wirkte Hegemann wiederum in Nicole Krebitz’ Kurzfilm »Die Unvollendete« mit, der als Teil des Episodenfilms »Deutschland 09« in den Kinos lief. 2010 erschien ihr Debütroman »Axolotl Roadkill« und erzeugte in der deutschen Literaturkritik Resonanzen, die sich vornehmlich an den extremen Enden des Urteilsspektrums bewegten. Die Enthüllung deckungsgleicher Buchpassagen mit Berichten aus dem Berliner Nachtleben eines unter Pseudonym schreibenden Bloggers forcierte eine Feuilletondebatte um literarischen Plagiarismus, Intertextualitätverfahren und divergierende Auslegungen des Authentizitätsbegriffs. Fernab jener Diskussion gelang es Hegenmann mit ihrer intuitiven Prosa ein dezidiert übersteigertes Abbild adoleszenten Überdrusses zu zeichnen, der sich in der Suche nach neuen wie alten Oberflächenreizen niederschlägt. Darauf angelegt die Grenzen von Pastiche und Parodie auszuloten, kreiierte sie eine Melange aus bewusst sinnentleerten Dialogen zwischen unbeirrt mit Gewaltfantasien kottierenden Jugendlichen. In ihrem zweiten Roman »Jage zwei Tiger« (2013) verwebt sie die Schicksale dreier von Traumata und Selbstzerstörung gezeichneter Teenager und entlarvt unterdessen Absurditäten eines überbordenden Konsumismus. So persifliert sie bspw. durch Aufzählungen von extravaganten Einrichtungsobjekten das Phänomen der gegenwärtig in der Kreativszene beliebten Zurschaustellung ihrer bei allen Individualitätsbestrebungen letztlich uniform dekorierten Habitate. Hegemann publizierte zudem mehrere Artikel, u.a. in Die Zeit, SZ, FAS, Vice Magazine und Interview. Für den vom Frankfurter MMK publizierten Band »Acht Betrachtungen: 8 Autoren, 8 Kunstwerke « (2013) verfasste sie einen Essay über ein Objekt des dänischen Konzeptkünstlers Henrik Olesen. Ein weiterer Begleittext erschien in Ulrich Seidls Bildband »Paradies: Liebe/Glaube/Hoffnung« (2013). Das von ihr inszenierte Stück »Musik« von Frank Wedekind hat im Dezember an der Kölner Oper Premiere. Hegemann wohnt in Berlin.

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