10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Habib Selmi  [ Tunesien, Frankreich ]

Biographie

ldw.Selmi, Habib_portrait_c_Marie-Christine Lautour_honorarfrei.jpg
(c) Hartwig Klappert

Gast des ilb 2013.

Bibliographie

Jabal al-Anz

Dar al-Adab

Beirut, 1988

Bajjas Liebhaber

Lenos

Basel, 2006

[Ü: Regina Karachouli]

Asrar Abdallah

Dar al-Adab

Beirut, 2006

Meine Zeit mit Marie-Claire

Lenos

Basel, 2010

[Ü: Regina Karachouli]

Nissa’u al Bassateen

Dar al-Adab

Beirut, 2011

Habib Selmi wurde 1951 in dem Dorf Al-Ala Kairouan im Zentrum Tunesiens geboren und wuchs inmitten einer Großfamilie auf. Von frühster Jugend an widmete er sich dem Schreiben, und seine Schriftstellerkarriere begann sich zu entfalten, als einige seiner Kurzgeschichten in einem renommierten Kulturradioprogramm vorgestellt wurden. Selmi gewann mehrfach den monatlichen Preis für den besten Beitrag, und drei seiner Werke wurden in der dazugehörigen Radiozeitschrift publiziert. Bevor er seinen ersten Roman »Jabal-Al Anz« (1988; Ü: Der Ziegenberg) veröffentlichte, erschienen 1977 und 1986 zwei Sammlungen seiner Kurzgeschichten, von denen einzelne ins Englische, Norwegische, Hebräische und Französische übersetzt wurden. Die Entwicklung von einem Kurzgeschichten- hin zu einem Romanautor beschreibt der Tunesier selbst als einen natürlichen Prozess. So hat er seit seinem Erstling sieben weitere Romane veröffentlicht.

Sein Roman »Ushaq Bayya« (2002; dt. »Bajjas Liebhaber«, 2006), der von arabischen Literaturkritikern hoch gelobt und kurz nach seinem Erscheinen ins Französische übersetzt wurde (»Les amoreux de Bayya«, 2003), ist eine einfühlsame Geschichte über die Freundschaft von vier Männern und den Prozess des Alterns. Der Schauplatz ist ein Olivenbaum, unter dem sich die alten Freunde täglich treffen, sich gemeinsam das Warten auf den Tod vertreiben und Neuigkeiten über die von ihnen geliebte Witwe Bajja austauschen. Im Allgemeinen sind Selmis Werke durch einen kargen Einsatz von Schauplätzen und Ereignissen gekennzeichnet, da aus seiner Sicht »ein Roman keine Erzählung und auch kein Epos sein sollte, also mit vielen Ereignissen und Schauplätzen. Der Roman ist kein Sack voller Begebenheiten und Schicksalswendungen«. So legt Selmi mehr Wert darauf, in seinen Werken »das Selbst und sein Verhältnis zur Umwelt widerzuspiegeln«. Eine Devise, die auch in seinem Roman »Rawa’ih Marie-Claire« (2008; dt. »Meine Zeit mit Marie-Claire«, 2010) Ausdruck findet. Aus der Ich-Erzählperspektive zeichnet der Protagonist Mahfoud, ein in Paris lebender Tunesier, ein intimes Porträt seiner gescheiterten Beziehung zu der Französin Marie-Claire. Ähnlich wie in seinem aktuellen Werk, »Nissa’u al-Bassateen« (2011; Ü: Die Frauen von Al-Bassatin), zeichnet der Autor anhand introspektiver und detailgenauer Beschreibungen zwischenmenschlicher Beziehungen kulturelle Spannungen und die Zerrissenheit des Protagonisten zwischen der westlichen und arabischen Lebenswelt nach.

Selmi zählt zu den wichtigsten Autoren in arabischer Sprache. Zwei seiner Romane, »Rawaih Marie-Claire« und »Nissa’u al-Bassateen«, wurden 2009 bzw. 2012 auf die engere Auswahlliste für den Internationalen Preis für Arabische Literatur aufgenommen. Der Autor lebt seit 1985 in Paris

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