10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Gideon Lewis-Kraus  [ USA ]

Biographie

Lewis-Kraus, Gideon_portrait
(c) Hartwig Klappert

Gast des ilb 2013.

Bibliographie

Die irgendwie richtige Richtung

Eine Pilgerreise

Suhrkamp

Berlin, 2013

[Ü: Thomas Pletzinger]

Gideon Lewis-Kraus wurde 1980 geboren und wuchs in New Jersey auf. Sein literarisches Debüt »A Sense of Direction: Pilgrimage for the Restless and the Hopeful« (2012; dt. »Die irgendwie richtige Richtung. Eine Pilgerreise«, 2013) entzieht sich einer eindeutigen Gattungsdefinition: Es lässt sich zugleich als frühe Memoiren wie auch als eine Sammlung essayistischer Reiseberichte betrachten; wobei weniger die bereisten Orte als vielmehr die introspektive Konfrontation mit der eigenen Rastlosigkeit und Familiengeschichte zum Gegenstand seiner oft philosophischen und anspielungsreichen Abschweifungen werden, u.~a. bezüglich des dem Individualismus immanenten Übermaßes an Optionen. So dokumentiert Lewis-Kraus zu Beginn, wie er 2007 mit einem Fulbright-Stipendium nach Berlin kommt, in der bereits ironisch gebrochenen Erwartung, dort eine Art Lost Generation vorzufinden, letztlich jedoch zu weiteren Stationen bzw. Wallfahrten seiner Selbstsuche aufbricht. Die erste Fassung tippte er in Form von E-Mails über eine faltbare Tastatur in sein Telefon, während er beispielsweise mit seinem Freund, dem Autor Tom Bissell, den Jakobsweg ging oder allein die Tempel der japanischen Insel Shikoku bereiste. Die letzte Pilgerfahrt in die ukrainische Stadt Uman zur Feier des jüdischen Neujahrstags Rosch ha-Schanah ließ in ihm schließlich ein Verständnis für den schwelenden Konflikt mit seinem Vater wachsen, einem Rabbi, dessen spätes Coming-out die Familie zerrüttete. Zu seinen literarischen Favoriten und stilbildenden Einflüssen zählt Lewis-Kraus die Wegbereiter und Meister der amerikanischen Essayistik und des New Journalism, von Joan Didion über Janet Malcom bis David Foster Wallace, sowie einzelne prägende Werke wie W. G. Sebalds »Die Ausgewanderten«, James Agees »Let Us Now Praise Famous Men« oder Norman Mailers »Armies of the Night«. Für das Magazin »Wired« verfasste Lewis-Kraus den Essay »In Search of the Living, Purring, Singing Heart of the Online Cat-Industrial Complex« (2012; Ü: Auf der Suche nach dem lebendigen, schnurrenden, singenden Herzen der Online-Katzen-Industrie), in welchem er sich eingehend mit dem Phänomen von Katzenvideos im Internet auseinandersetzt. Um der enormen Popularität, die sich in Clicks im Millionenbereich bemisst, und den skurrilsten Auswüchsen des an sich bereits bizarren Massenfetischs auf den Grund zu gehen, recherchierte er nicht nur im Netz, sondern reiste u.~a. nach Japan, wo er das Epizentrum des Kuriosums verorten konnte. Indem Lewis-Kraus auch hier als Protagonist seiner Nachforschungen auftritt, gelingt ihm eine hintersinnige Reflexion unserer digitalen Faszination für eine medialisierte Alltäglichkeit und deren Zerrbilder.

Lewis-Kraus’ Essays, Reportagen und Rezensionen wurden u.~a. in »Harper’s Magazine«, »McSweeney’s«, »The Believer«, »n+1«, und dem »New York Times Magazine« publiziert. Der Autor lebt in Brooklyn, New York.

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