10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Dorothea Rosa Herliany  [ Indonesien ]

Biographie

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(c) Hartwig Klappert

Gast des ilb 2013.

Bibliographie

Wellen von Wut und Schmerz

Zwei Kurzgeschichten

Das Land des Andersseins

Gedichte

Beides in: Orientierungen. Zeitschrift zur Kultur Asiens 1/2002

Kill the Radio

Arc Publications

London, 2007

Schenk mir alles, was die Männer nicht besitzen

ulme-mini-verlag Multimedia

Gießen, 2009

[Ü: Berthold Damshäuser]

A Body Only A Body

Waktoe Publishing

Magelang, 2013

Die indonesische Lyrikerin und Schriftstellerin Dorothea Rosa Herliany wurde 1963 in Magelang/Zentraljava geboren. Sie studierte Indonesisch und Literatur an der Universitas Sanata Dharma in der javanischen Stadt Yogyakarta.

Bereits mit 16 Jahren begann Herliany zu schreiben und arbeitete schon während ihres Studiums für verschiedene Zeitungen und Magazine. Sie gehört zur postkolonialen Generation indonesischer Schriftsteller, für die der Ausdruck ihrer nationalen Identität sowie das Schreiben in ihrer Landessprache eine Selbstverständlichkeit sind. 1987 erschien ihr erster Gedichtband »Nyanyian Gaduh« (Ü: Lärmende Songs), der in ihrer Heimat großes Aufsehen erregte. In einer patriarchalischen und stark religiös geprägten Gesellschaft schrieb Herliany über Tabuthemen wie den weiblichen Körper, Sexualität oder Gewalt an Frauen. In ihren Gedichten ist die Frau dem Mann nicht untergeordnet, sie ist nicht mehr nur das Objekt männlicher Begierde, sondern macht umgekehrt den Mann zum Unterworfenen. Oft wurde sie durch ihre Kritik an veralteten Geschlechterrollen als Feministin bezeichnet, was Herliany selbst jedoch ablehnt. Ihr gehe es vielmehr darum, denjenigen, die nicht gehört werden, eine Stimme zu verleihen. Auch politische Missstände in der ereignisreichen jüngeren Geschichte Indonesiens greift Herliany in ihren Gedichten auf. So handelt zum Beispiel »Ein Tag im Juli« vom 27. Juli 1996, als eine friedliche Demonstration gegen den damaligen diktatorischen Machthaber General Suharto von dessen Milizen gewaltsam beendet wurde. Obwohl viele ihrer Werke von realen Ereignissen und Gegebenheiten handeln, betont die Lyrikerin doch stets den fiktionalen Charakter ihrer Gedichte. Sie beschreibt eine vergängliche Wirklichkeit, die den Leser dazu einlädt, sich seine eigene Realität zu schaffen. Entsprechend den provokanten Themen ist Herlianys Sprache sehr direkt, ohne dabei jedoch anstößig zu sein. Die bewusste Provokation in ihren Gedichten erscheint eher subtil, in einer bildreichen und zugleich gefühlvollen Sprache verborgen. Neben zahlreichen Gedichtbänden veröffentlichte Herliany auch Prosa, vor allem Kurzgeschichten und Erzählungen für Kinder sowie Essays, Kunst- und Theaterkritiken. 2009 erschien eine Auswahl von Herlianys Gedichten mit dem Titel »Schenk mir alles, was die Männer nicht besitzen« auf Deutsch. Zur selben Zeit erhielt sie ein Stipendium der Heinrich-Böll-Stiftung.

Sie erhielt zahlreiche Preise, darunter den Poesiepreis des Jakarta Arts Council (2000), den Art Award des indonesischen Ministeriums für Kultur und Tourismus (2004) sowie 2006 den renommierten indonesischen Khatulistiwa Literary Award. Dorothea Rosa Herliany lebt mit ihrer Familie in einer kleinen Stadt in Magelang. Derzeit ist sie Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.

[http://www.dorothearosaherliany.com]

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