10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Christos Ikonomou  [ Griechenland ]

Biographie

Ikonomou, Christos_portrait
(c) Hartwig Klappert

Gast des ilb 2013.

Bibliographie

Kleine Sprachen – große Literaturen

Die Anthologie 2012

Kirchhof & Franke

Berlin, 2012

Warte nur, es passiert schon was

Erzählungen aus dem heutigen Griechenland

C. H. Beck

München, 2013

[Ü: Birgit Hildebrand]

Christos Ikonomou wurde 1970 in Athen geboren und ist auf Kreta aufgewachsen. Er arbeitet als Journalist, u.~a. für die Athener Tageszeitung »Ethnos«, sowie als Übersetzer und freier Autor.

Für seinen zweiten Erzählband wurde ihm 2011 der griechische Staatspreis für Literatur verliehen. Diese Sammlung von insgesamt 16 Kurzgeschichten liegt in deutscher Übertragung unter dem Titel »Warte nur, es passiert schon was« (2013) vor. In jenen »Erzählungen aus dem heutigen Griechenland« exemplifiziert Ikonomou in emphatischer Weise anhand von Einzelschicksalen die unmittelbaren Auswirkungen der wirtschaftlichen Depression. Von der Kritik gefeiert, wurde sein Porträt von Charakteren und einer Region von der italienischen Zeitung »La Repubblica« gar mit dem literarischen Kosmos William Faulkners verglichen – figurenreich, spezifisch und allgemeingültig zugleich. Ikonomous kleine Welt ist in diesem Fall das Athener Hafenviertel Piräus zwischen Anlegern, Tavernen und Mietskasernen. Unabhängig davon, ob er auf die individuellen Existenzen aus auktorialer oder personaler Perspektive blickt, Ikonomou zeichnet seine Figuren abgeklärt und erhaben, insbesondere wie sie Alltag und Armut zu meistern vermögen, jene »miese Armut, die lautlos und langsam, aber sicher die Träume, die Kraft und das Leben zernagt [...] aller Menschen, die leben, um zu arbeiten, die geboren wurden und leben und sterben, um zu arbeiten. Für wenig Geld«, wie es in der ersten Erzählung des Bandes heißt. »Sie kämpfen darum, nicht klein beizugeben und aufrecht zu bleiben«, so Ikonomou über die Haltung, die seinen Figuren gemein ist und mit welcher sie letztlich ihre Würde bewahren. Stilistisch verschränken sich in Ikonomous Prosa nüchtern-präzise Beobachtungen mit pathetischen Bildern, um gerade aus dieser Differenz ihre eigenwillige erzählerische Wirkung zu destillieren und so mancher Tristesse eine wundersame Anmut abzutrotzen. Bereits in der Eingangserzählung »Komm Elli, füttere das Schweinchen« wird der schonungslose und gleichfalls symbolisch aufgeladene Grundton angeschlagen, der sich auch durch die folgenden 15 Episoden zieht. Da klammert sich die Protagonistin Elli zu Beginn an einen Salatkopf, an »das innerste Herz des Salats mit diesen Blättchen, die jetzt in ihrer nassen Hand zittern, es wird immer weiß und zart und lebendig bleiben, als wäre es das Einzige auf dieser Welt, was nicht stirbt, was nie sterben wird«, und wird anschließend ihres Sparschweins beraubt, was sie räsonieren lässt: »Wenn wir Armen uns Armen schon so etwas antun, was müssen uns dann erst die Reichen antun.« Sie ist ebenso wie die Hafenarbeiter, Rentner und Arbeitslosen, die Ikonomous Figurenarsenal angehören, verfolgt und gezeichnet von existenziellen Ängsten. Ein Prosatext Ikonomous erschien hierzulande zudem in der Anthologie »Kleine Sprachen – große Literaturen« (2012).

Ikonomou lebt in Piräus.

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