10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Amos Oz  [ Israel ]

Biographie

Portrait Amos Oz
c. Jerry Bauer

Gast des ilb 2013.

Bibliographie

Mein Michael

Claassen

Düsseldorf, 1979

[Ü: Gisela Podlech-Reisse]

Eine Geschichte von Liebe und Finsternis

Suhrkamp

Frankfurt am Main, 2004

[Ü: Ruth Achlama]

Verse auf Leben und Tod

Suhrkamp

Frankfurt am Main, 2008

[Ü: Mirjam Pressler]

Geschichten aus Tel Ilan

Suhrkamp

Frankfurt am Main, 2009

[Ü: Mirjam Pressler]

Unter Freunden

Suhrkamp

Frankfurt am Main, 2013

[Ü: Mirjam Pressler]

Amos Oz, eigentlich Amos Klausner, wurde 1939 in Jerusalem geboren. Seine Eltern, Jehuda Arie Klausner und Fania Mußmann, waren zionistische Migranten, die in den dreißiger Jahren aus Osteuropa nach Palästina einwanderten. 1952 nahm sich seine Mutter das Leben, was den damals Zwölfjährigen dazu veranlasste, sich vom konservativen intellektuellen Lebensstil des Vaters abzuwenden und dem sozialistischen Kibbuz Chulda anzuschließen, wo er bis 1986 lebte. Er nannte sich fortan Oz (hebräisch für Stärke, Kraft), leistete seinen Wehrdienst ab und studierte Anfang der sechziger Jahre an der hebräischen Universität in Jerusalem Literatur und Philosophie. Seit 1987 lehrt er hebräische Literatur an der Ben-Gurion-Universität von Negev.

Sein Roman »Mīkhāel šĕlī« (1968; dt. »Mein Michael«, 1979), welcher von der gescheiterten Ehe im Jerusalem der fünfziger Jahre handelt und zugleich den politischen Hintergrund dieser Dekade beleuchtet, machte ihn erstmals auch außerhalb Israels bekannt. Die Mehrzahl seiner Werke setzt sich mit dem israelisch-arabischen Verhältnis auseinander, stellt sowohl die politischen, die gesellschaftlichen als auch die psychologischen Aspekte dar, stets gepaart mit autobiografischen Elementen. Am deutlichsten lässt sich das in seinem Buch »Sîppûr ʿal ahavā we-ḥôšeḵ« (2002; dt. »Eine Geschichte von Liebe und Finsternis«, 2004) erkennen. Es ist die Geschichte seiner Familie, deren Weg von Osteuropa nach Palästina, der Entstehung Israels, seiner eigenen Jugendjahre in Jerusalem und im Kibbuz sowie des Selbstmords seiner Mutter. David Grossman bezeichnete es als sein Meisterwerk. Oz’ Werke sind geprägt von Mitmenschlichkeit, voller Verständnis, kritischer Selbstreflexion und Dankbarkeit für die Menschen, die dem Erzähler im Leben begegnet sind. In detailreichen Schilderungen lässt er oftmals die Grenze zwischen Realität und Fiktion verschwimmen. So kehrt er in seinem neuesten Erzählungsband »Unter Freunden« (2013) zu den Jahren im Kibbuz zurück.

Neben seiner literarischen Laufbahn ist Oz auch politisch aktiv. Geprägt durch seine Erfahrungen als Soldat im Sechstagekrieg und im Jom-Kippur-Krieg, gilt sein politisches Engagement der Organisation »Schalom Achschaw« (dt. »Frieden jetzt«), die er in den siebziger Jahren mit begründete. In zahlreichen Artikeln und Essays setzt sich Oz für eine Annäherung Israels und der arabischen Staaten ein. Er ist ein prominenter Befürworter der Zwei-Staaten-Lösung.

Für seine Werke erhielt Amos Oz zahlreiche Auszeichnungen, u.~a. 1992 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels, 2005 den Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main und 2008 den Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf. In der Begründung für die Vergabe hieß es, dass sich im »Werk des israelischen Schriftstellers literarische Kreativität, politische Sensibilität und humanistisches Engagement« verbinden. Amos Oz ist seit 1960 mit Nily Oz-Zuckerman verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Arad in der Negev-Wüste.

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