10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Tendai Huchu  [ Simbambwe, Großbritannien ]

Biographie

portrait Tendai Huchu
©Hartwig Klappert

Gast des ilb 2012.

Bibliographie

An Untimely Love
Whiskey Creek
Casper, 2010

Der Friseur von Harare
Peter Hammer
Wuppertal, 2011
[Ü: Jutta Himmelreich]
www.tendaihuchu.com

Tendai Huchu wurde 1982 in Bindura, Simbabwe, geboren. Er studierte Bergbautechnik an der Universität in Harare und brach das Studium während des ersten Semesters ab. Anschließend hatte er verschiedene Anstellungen, unter anderem in einem Casino. Seinen beruflichen Weg als Schriftsteller schlug er 2010 ein.

In seinem Debütroman »The Hairdresser of Harare« (2010; dt. »Der Friseur von Harare«, 2011) stehen Vimbai und Dumisani im Fokus der Handlung. Vimbai ist eine Angestellte im Friseursalon von Mrs. Khumalo und eine ihrer erfolgreichsten Mitarbeiterinnen. Mit dem Einstieg des neuen Kollegen Dumisani verändert sich Vimbais Rolle schlagartig. Zuerst verliert sie ihre besten Kundinnen an Dumisani, und wenig später zieht dieser auch noch bei ihr ein. Tendai Huchu zeichnet am Beispiel des Mikrokosmos eines Friseursalons ein präzises und kompromissloses Bild des Lebens im Simbabwe der Gegenwart. Die bis heute in dem verarmten Land aktuellen Probleme wie die Korruption der Politik, das Erlahmen der Wirtschaft und die flächendeckende soziale Not sind in seiner Geschichte stets präsent. Tendai Huchu schaut sehr genau hin und erzählt in einem erfrischenden Ton davon, wie es sich anfühlt, als junger Mensch in Harare zu leben. Er taucht in die Welt von Vimbai und Dumisani ein, lässt an den beiden Charakteren alte Vorurteile auf liberale Vorstellungen vom Leben prallen und legt damit en passant eine bemerkenswerte Studie über Liberalität, Toleranz und den Preis von Freundschaft vor. »Der Friseur von Harare« ist auch ein Buch über Homosexualität, die in Simbabwe seit 2006 mit dem Gesetz gegen »sexuelle Abnormalitäten« unter Strafte gestellt ist. Es lässt sich vor diesem Hintergrund als kenntnisreich geschriebenes, engagiertes Plädoyer für Toleranz und Gleichberechtigung in einem Land lesen, das bis heute unter der Politik des Präsidenten Robert Mugabe zu leiden hat. Damit ist Tendai Huchu nicht weniger als ein »witziges, kluges Debüt« (»FAZ«) gelungen, das eine mitreißende Geschichte junger Menschen auf der Suche nach ihrem Platz im Leben erzählt. Tendai Huchus zweiter Roman »An Untimely Love« (Ü: Eine Liebe zur Unzeit) stellt als Ausgangspunkt die spannende Frage, was passiert, wenn sich zwei Selbstmordattentäter am Tag der geplanten Tat ineinander verlieben. Erzählt aus der Perspektive des Terroristen Khalid Patel, lässt uns Tendai Huchu an einer Liebesgeschichte zu einem äußerst ungewöhnlichen Zeitpunkt teilhaben. Khalids Begegnung mit der toughen Smokey stellt sein bisheriges Weltbild auf den Kopf, und er wie auch Smokey müssen eine Entscheidung für oder gegen die Liebe treffen. Wieder ist Tendai Huchu ganz nah dran an seinen Charakteren und dekliniert unter außergewöhnlichen Rahmenbedingungen das ABC des Verliebtseins durch.

Vor allem für seinen Erstlingsroman »The Hairdresser of Harare« erntete Tendai Huchu von der internationalen Kritik vielfach Anerkennung. Heute lebt und arbeitet er als Autor und Podologe in Edinburgh.

© internationales literaturfestival berlin

[http://www.tendaihuchu.com/]

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