10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Samanta Schweblin  [ Argentinien ]

Biographie

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© Suhrkamp Verlag

Gast des ilb 2012.

Bibliographie

El núcleo del disturbio

Destino Ediciones, Planeta

Buenos Aires, 2002

Die Wahrheit über die Zukunft

Suhrkamp

Berlin, 2010

[Ü: Angelica Ammar]

Samanta Schweblin wurde 1978 in Buenos Aires geboren. Sie studierte Filmwissenschaften an der Universität von Buenos Aires und gründete anschließend eine Agentur für Webdesign.

2002 veröffentlichte sie ihre erste Kurzgeschichtensammlung »El núcleo del disturbio« (2002; Ü: Der Kern der Unruhe) und wurde dafür mit dem bedeutenden Fondo Nacional de las Artes und dem Concurso Nacional Haroldo Conti ausgezeichnet. Ein Stipendium ermöglichte es ihr, einen Teil des Jahres 2008 in Oaxaca, Mexiko, als Artist in Residence zu verbringen und sich ganz dem Schreiben zu widmen. Schweblins zweiter Erzählband »Pájaros en la boca« (2009; dt. »Die Wahrheit über die Zukunft«, 2010) brachte ihr den internationalen Durchbruch, wurde in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt und mit dem International Award Case de las Américas prämiert. Die teils zur Gattung der Kürzestgeschichten bzw. »flash fiction« zählenden Short Stories bestechen durch ihren lakonisch-prägnanten Stil, in dem Schweblin von latenten Bedrohungen und Abgründen im Alltäglichen erzählt. Nicht selten zeigen ihre Prosaminiaturen eine gewisse Faszination am Morbiden und Grotesken – da werden Vögel bei lebendigem Leib von einem kleinen Mädchen verspeist; Kinder verschwinden spurlos in einem von ihnen gegrabenen Schacht; ein Hund wird getötet in einem zwielichtigen Einstellungstest. Abgesehen von Schweblins bewusst reduziertem und präzisem Vokabular liegt die Stärke jener Skizzen darin, dass sie plastisch wirken, ohne dass die eigentlich verstörenden Elemente ausformuliert sind. Gerade indem Schweblin gerne in medias res beginnt und das Ende wiederum offen lässt, potenziert sie diesen beunruhigenden Effekt. Das Feuilleton sah ihre Geschichten in einer Traditionslinie der lateinamerikanischen Erzählung zwischen Neo-Phantastik und magischem Realismus und zog nicht selten Vergleiche zu den Größen der argentinischen Literatur, namentlich Julio Cortázar, Jorge Luis Borges oder Adolfo Bioy Casares. Schweblin selbst fühlt sich angesichts solcher Referenzen zwar geschmeichelt, sieht ihre Erzählungen aber stets im Rahmen des Möglichen verankert, so skurril und surreal sie zunächst auch wirken mögen. Ihre Entscheidung für die kurze Form wiederum begründete sie in einem Interview der argentinischen Tageszeitung »Página/12« mit dem unmittelbaren Effekt, den diese haben können: »Kurzgeschichten bieten mehr Möglichkeiten, sich den Boden unter den Füßen wegzuziehen, und das ist es, was mich an der Literatur interessiert.«

Schweblins Kurzgeschichten wurden in Übertragungen in zahlreichen Anthologien, Magazinen und Tageszeitungen abgedruckt. 2010 wurde sie vom amerikanischen Literaturjournal »Granta« in die Anthologie der besten jungen spanischsprachigen Autoren aufgenommen. Schweblin ist derzeit Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.

© internationales literaturfestival berlin

[http://www.samantaschweblin.com.ar/]

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