10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Judith Vanistendael  [ Belgien ]

Biographie

Portrait Judith Vanistendael
© Ali Ghandtschi

Gast des ilb 2012, 2014.

Bibliographie

Kafka für Afrikaner
Sofie und der schwarze Mann
Reprodukt
Berlin, 2011
[Ü: Andrea Kluitmann]

Toen David zijn stem verloor
Oog & Blik / De Bezige Bij
Amsterdam, 2012

Een voettocht naar Santiago de Compostella
De Bezige Bij
Amsterdam, 2012

Lucille Kabaal
[Mit Conz]
Oog & Blik / De Bezige Bij
Amsterdam, 2012

www.judithvanistendael.be

Judith Vanistendael wurde 1974 im flämischen Leuven geboren. Sie studierte Kunst in Berlin, Gent und Sevilla und besuchte außerdem die angesehene Comicschule Sint-Lukas in Brüssel, wo sie inzwischen auch selbst als Dozentin tätig ist.

Sie illustrierte Kinderbücher und verfasste eine Reihe von kürzeren Comics, bevor sie schließlich ihr zweiteiliges Debüt »De Maagd en de Neger« (2007; »Kafka für Afrikaner – Sofie und der schwarze Mann«, 2011) vorlegte, das gleichzeitig ihre universitäre Abschlussarbeit war. Darin schildert Vanistendael die autobiografisch geprägte Liebesgeschichte zwischen der Belgierin Sofie und Abou, einem politischen Flüchtling aus Togo. In schlichten Schwarz-Weiß-Zeichnungen und pointiert-ironischen Dialogen erzählt sie von Vorurteilen und einer kafkaesk anmutenden Bürokratie, mit der das junge Paar aufgrund der Abou vorenthaltenen Aufenthaltserlaubnis konfrontiert ist.

Vanistendaels Vater, der Schriftsteller Geert Vanistendael, hatte die tatsächliche Begebenheit bereits in einer Erzählung verarbeitet. In gewisser Weise habe sie sich mit ihrem Comic-Roman auch ihre eigene Geschichte wieder zurückerobert, sagte sie in einem Interview. Was ihre persönliche, nichtsdestoweniger dezidiert fiktionale Version der Geschehnisse so besonders macht, ist mitunter die spielerische Leichtigkeit, mit welcher sie von den existenziellen Problemen dieser Beziehung, insbesondere den Schikanen der Asylpolitik und der drohenden Abschiebung erzählt. Für dieses außergewöhnliche und bewegende Erstlingswerk wurde sie jeweils 2008 und 2009 beim wichtigsten europäischen Treffen jener Bild und Text vereinenden Kunstform, dem Festival International de la Bande Dessinée d’Angoulême, u.~a. für den Grand Prix nominiert. Von der niederländischen Tageszeitung »Volkskrant« wurde sie mit dem amerikanischen Comic-Künstler Craig Thompson verglichen.

Ihr jüngst erschienener Band »Toen David zijn stem verloor« (2012) ist ein rührendes Familienporträt, in dem bei dem titelgebende Protagonisten eine Krebserkrankung diagnostiziert wird und ihm wenig Überlebenschancen eingeräumt werden. Das Buch, das kürzlich auch unter dem Titel »Als David seine Stimme verlor« auf Deutsch erschien, wurde von der internationalen Kritik abermals enthusiastisch aufgenommen. So schrieb der »Guardian«: »[Es] ist ein Buch voller unerwarteter Tröstungen und eine wertvolle Ergänzung des Kanons grafischer Juwele.« Im Vergleich zum Vorgängerband illustriert Vanistendael hier erstmals in Farbe, wobei gerade die nächtlichen Szenen eine besonders nuancierte Koloration aufweisen. Individuell und lebensnah beweist Vanistendael, dass das Medium der Graphic Novel auch in der Darstellung komplexer Gefühle anderen narrativen Kunstformen in nichts nachsteht. Neben ihren eigenen Comic-Erzählungen hat Vanistendael zusammen mit dem Autor Michael de Cock auch die mehrbändige Kinderbuchreihe „Rosie und Moussa“ erarbeitet.

Vanistendael lebt in Brüssel.

http://judithvanistendael.wordpress.com/

Lars von Törne

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