10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Joachim Zünder  [ Deutschland ]

Biographie

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© Sandra Schaab

Gast des ilb 2012.

Bibliographie

Die Neigung der Nacht ins Gegenverständnis
Boëtius
Hamburg,1985

Skizzen von einer Reise durch den Schlauch
Landpresse
Weilerswist, 1996

Rauchgeister
Kaamos Press
Berlin, 2011

Der deutsche Lyriker Joachim Zünder wurde 1956 in Troisdorf geboren. Zunächst studierte er in Berlin Biochemie und war als Chemielaborant tätig. Danach unternahm er ausgedehnte Reisen, vor allem durch den Norden Europas, und lebte bis 1999 an verschiedenen Orten im In- und Ausland.

Joachim Zünder schreibt vorwiegend Gedichte, die in verschiedenen Literaturzeitschriften (»Sprache im technischen Zeitalter«, »Signum«, »Akzente«) publiziert werden. 1985 erschien sein erster Gedichtband »Die Neigung der Nacht ins Gegenverständnis«, 1996 folgte der Band »Skizzen von einer Reise durch den Schlauch«. Größere Beachtung fand der Band »Rauchgeister«, den Joachim Zünder 2011 in dem von ihm und Sandra Schaab im selben Jahr gegründeten, unabhängigen Literaturverlag Kaamos Press publizierte. Hier sind Gedichte und metaphorische Miniaturen aus der Zeit von 1995 bis 2007 versammelt. Für den von Friedrich Forssman gestalteten Umschlag dieser jüngsten Publikation wählte Joachim Zünder ein Bild des finnischen Malers und Videokünstlers Osmo Rauhala, das den Körper eines rätselhaften Tiers zeigt und damit bereits auf die mythische Dimension der in diesem Band versammelten Texte verweist. Atmosphärisch prägend wurden für sie Zünders Winteraufenthalte im Baltikum und in Finnland. Das Weiß des Schnees steht im Kontrast zum Schwarz der Buchstaben, aus denen Gedichte entstehen: »Abends, sehr hell im Wald, der Schnee trägt das Licht, auch in der Dunkelheit. Der Schnee reflektiert die Aufmerksamkeit. Hier kannst du im Dunkeln schreiben, weil das Dunkel nicht dunkel ist.« Das Weiß des Winters steht kontrapunktisch dem Schreiben gegenüber und motiviert es. Joachim Zünder befreit das eigene Bewusstsein vermittels eines poetischen Prozesses: »Poesie – ein von allen Beschränkungen und Auflagen sich freisprechendes Bewusstsein.« Dieser Erkenntnisprozess richtet sich auf das eigene Innere, auf das Vage und Unerkannte, Lyrik wird zum Mittel, sich heranzutasten an das in der Dunkelheit verborgene Licht: »Das poetische Wort lebt von seiner Ungenauigkeit, seinem Nichtwissen, seiner Dunkelheit, die im Innersten leuchtet.«

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung bespricht den Gedichtband im Rahmen des »Lyrischen Quartetts« im Juni 2012. Der Lyriker lebt in Berlin.

[http://www.kaamospress.de/autor.htm]

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