10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Carol Birch  [ Großbritannien ]

Biographie


© Olivia Arthur

Gast des ilb 2012.

Bibliographie

Life in the Palace
Macmillan
London, 1988
Am Rand der Dämmerung

Dtv
München, 1999
[Ü: Mechtild Sandberg-Ciletti]

Frauen am Meer
dtv
München, 1996
[Ü: Mechtild Sandberg-Ciletti]

Die verlorene Schwester
dtv
München, 1999
[Ü: Mechtild Sandberg-Ciletti]

Der Atem der Welt
Insel
Berlin, 2012
[Ü: Christel Dormagen]

Carol Birch kam 1951 in Manchester zur Welt. Sie studierte Anglistik und American Studies an der Keele University und ging nach ihrem Studium nach London, wo sie einige Zeit für die English Folk Dance and Song Society, anschließend u.~a. in einer Bibliothek und einem Kindergarten arbeitete. In London lebte sie überwiegend in Waterloo und zog von dort mit ihrem ersten Ehemann in den Südwesten Irlands, wo sie ein verfallenes Cottage kauften und renovierten. Hier schrieb sie auch ihren ersten Roman »Life in the Palace« (1988; Ü: Leben im Palast). Der von ihrem Leben in einem heruntergekommenen Wohnblock in Waterloo inspirierte Text wurde mit dem David Higham Award für das beste Debüt des Jahres ausgezeichnet. Die Figur Jimmy Raffo wird der erste von vielen männlichen Protagonisten sein, mit denen Carol Birch auch in späteren Texten sympathisiert. »Er war ein sehr charmanter Verlierertyp, lebte in einem Siebziger-Jahre-Plattenbau und hatte kein Ziel in seinem Leben. Er trank viel zu viel, konnte einen aber zum Lachen bringen. Er war ein großes Kind, das nie erwachsen wurde, und ich bin immer noch sehr stolz auf ihn.« Auch in ihrem zweiten Roman »The Fog Line« (1989; dt. »Am Rand der Dämmerung«, 1999) geht es um Außenseiter der Gesellschaft, hier jedoch steht eine Frau im Mittelpunkt der Handlung.

Nach acht Jahren Irland kehrte Carol Birch nach London zurück und doch sollte diese Zeit ihr Schreiben auch später noch thematisch und motivisch beeinflussen. »Songs of the West« (1994; dt. »Frauen am Meer«, 1996) beschreibt das Leben in einem kleinen irischen Dorf und die Interaktion zwischen den Einwohnern und Zugezogenen. In ihrem historischen Roman »The Naming of Eliza Quinn« (2005; Ü: Die Namensgebung der Eliza Quinn) thematisiert sie die große Hungersnot in Irland Mitte des 19.~Jahrhunderts.

»Jamrach’s Menagerie« (2011; dt. »Der Atem der Welt«, 2012) ist Carol Birchs elfter Roman, er spielt in den Londoner Docklands des Jahres 1857. Dort trifft der in Ärmlichkeit und Elend aufgewachsene, vaterlose Jaffy eines Tages auf einen entlaufenen Tiger. Die Begegnung mit diesem anmutigen Tier lässt ihn von fernen Ländern hinter dem Meer träumen und so heuert er als Jugendlicher auf einem Walfänger an und sucht in Ostindien nach einem sagenumwobenen Drachen. Im Roman wird das Gebiet um den Ratcliffe Highway porträtiert, einer Straße, die vom Londoner Stadtzentrum nach Osten führt und als Hort der Kriminalität bekannt war, außerdem spielt er auf Darwins Naturgeschichte an und reiht sich ein in die maritime Erzähltradition von Melvilles »Moby Dick« bis »Kurs auf Spaniens Küste« von Patrick O’Brian. Der Roman schaffte es 2011 auf die Shortlist des Man Booker Prize, des wichtigsten britischen Literaturpreises. Carol Birch lebt in Lancaster.

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