10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Vera Polozkova  [ Russland ]

Biographie

Polozkova_Vera_portrait
© Privat

Gast des ilb 2011.

Bibliographie

Nepoemanie
Helicon Plus
St. Petersburg, 2008
Livebook
Moskau, 2010

Photosynthese
[Mit Olga Pavolga]
Livebook
Moskau, 2008

Znak Neravenstva

[Musikalbum]

2011

Ostocherchenie

Livebook
Moskau, 2013

http://mantrabox.livejournal.com

Vera Polozkova wurde 1986 in Moskau geboren. Ihr Journalismus-Studium am Institut für Kunst, Kultur und Literaturwissenschaften der staatlichen Universität Moskau brach sie drei Monate, bevor sie ihr Diplom gemacht hätte, ab. Bereits als Kind begann sie Gedichte zu schreiben, einem breiteren Publikum präsentierte sie ihre Lyrik durch die Veröffentlichung in ihrem Internet-Blog. In der jungen russischen Kulturszene ist sie auch bekannt unter ihrer Bloggeridentität »vero4ka«. Ihre Poesie-Performances bei Poetry Slams verschafften ihr eine große Anhängerschaft. Zudem spielte sie in Theaterstücken und Musikvideos mit und schrieb für das »Book Review-Magazin« (die russische Ausgabe der »Cosmopolitan«) und für die Zeitschriften »Bill«, »Spark-Spark« und das »Shik-Magazin«. Bis April 2008 arbeitete sie im Contemporary Art Museum Art4.ru in Moskau.

2008 erschien Polozkovas erster Lyrikband »Nepoemanie«, bereits kurz darauf der zweite, »Photosynthese«. Kritiker warfen ihr vor, ihre Poesie entbehre jeglicher formalen Struktur. Doch gerade durch die unabhängige Haltung ihrer Kunst verkörpert vero4ka eine neue Dichtergeneration: Wild, stark und auch verletzlich offenbart sie sich in ihren intimen Betrachtungen. Die Protagonisten ihrer Gedichte erleben Freude und Optimismus, aber viel häufiger Schmerz, Ungerechtigkeit und Enttäuschung. Polozkova thematisiert beispielsweise den »Kult der Leere«, die Neigung der Menschen, sich in langen Friedenszeiten in Glamour und Ausschweifungen zu verschwenden. Außerdem betont die Dichterin immer wieder ihre unkonventionelle Auffassung, dass Geschriebenes zunächst einmal langweilig sei. Erst wenn die visuelle Ebene hinzukomme – der Auftritt des Dichters, sein Aussehen und Habitus wie auch seine Stimme bei der Lesung –, könne man einen Bezug zum Verfasser herstellen: »Lyrik ist unmittelbarer, man muss Verantwortung für seinen Text übernehmen.« Polozkovas Blog, der im März 2010 über 16.000 registrierte Leser hatte, wurde 2009 mit dem Neformat-Preis, einem russischen Literaturpreis, ausgezeichnet. Seit 2010 hat sie eine eigene Band, deren Stil als eine Mischung aus Gedichtrezitation und Rockmusik beschrieben werden kann. Als Lyrikerin veröffentlichte sie zuletzt das Buch »Ostocherchenie« (2013) und stellte 2015 im Rahmen des Literatursommer-Festivals des Moskauer Muzeon Arts Park neue Gedichte vor. Ihren Lesern ermöglicht sie auch auf andere Weise einen persönlichen Zugang zu ihr und ihrer Poesie, indem sie in der Tradition der sowjetischen Untergrundliteratur, der sogenannten Samisdat-Literatur, Lyrikabende bei sich zu Hause veranstaltet. Neue Projekte plant sie frei nach ihrem Motto: »Sag mir nicht, dass etwas unmöglich ist. Das ist für mich wie ein rotes Tuch. Ich will dann losgehen und das Gegenteil beweisen«. Passend dazu sucht sie Inspiration bei Reisen in andere Länder, wie kürzlich nach Indien.

Polozkova lebt in Moskau.

[http://vero4ka.livejournal.com]

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