10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Robert Williams  [ Großbritannien ]

Biographie

Robert Williams
© Ali Ghandtschi

Gast des ilb 2011.

Bibliographie

Luke und Jon
Berliner Taschenbuch Verlag
Berlin, 2010
[Ü: Brigitte Jakobeit]

Robert Williams, geboren 1977, wuchs in Clitheroe/Lancashire auf. Als Sohn zweier Bibliothekare wurde die örtliche Bibliothek seiner nordenglischen Heimatstadt zu seinem zweiten Zuhause, wo er sich mit großer Begeisterung quer durch die Bestände las. Er selbst arbeitete später ebenfalls als Bibliothekar in einer Schulbücherei, bevor er mehrere Jahre als Buchhändler tätig war. Überdies ist er Songwriter und veröffentlichte ein Album unter dem Namen »The Library Trust«.
Lange Zeit hielt Robert Williams die Arbeit an seinem Debütroman »Luke and Jon« (2010; dt. »Luke und Jon«, 2010) geheim. 2007 gewann er dann die National Book Tokens’ Not Yet Published Competition, ein Preis, der für die ersten 10 000 Wörter eines unveröffentlichten Erstlingswerks eines Buchhändlers aus Großbritannien oder Irland vergeben wird. Diese Auszeichnung gewährte Robert Williams nicht nur einen Vorschuss, sondern zudem einen Vertrag mit dem Londoner Verlag Faber & Faber. »Luke and Jon« wurde in England zum Bestseller und in den Literaturkanon der Schulen aufgenommen. In seinem Coming-of-Age-Roman erzählt der Brite aus der Perspektive des Außenseiters Luke von Mobbing, Depression, Verlust, Armut und Sucht. Nach dem Tod seiner manisch depressiven Mutter bei einem Verkehrsunfall, bei dem es sich möglicherweise um Selbstmord handelt, versucht der 13-Jährige zurück in sein bisheriges Leben zu finden. Der Umzug von Vater und Sohn in eine Industriestadt im Nirgendwo wird nicht der erhoffte Neuanfang, sondern verschärft die Konfliktsituation noch. Dem Alkohol verfallen, flüchtet sich Lukes Vater in die Vision einer übergroßen Holzpferd-Skulptur. Und auch Luke errichtet sich in seinen Zeichnungen eine Parallelwelt in der Kunst. Sein Mitschüler Jon wird zum Dauergast in dieser zur Zweckgemeinschaft verkommenen Familie, in der sich Vater und Sohn zunehmend einander entfremden. Dabei flüchtet auch er vor seinem Alltag, dessen Details er ängstlich vor der Außenwelt zu verbergen versucht, denn seine »Alte-Leute-Klamotten« machen ihn bereits zum Sonderling und Opfer der mitunter gewalttätigen Mobbing-Attacken seiner Altersgenossen. Von einem Tag auf den anderen ist Jon verschwunden. Luke begibt sich auf die Suche nach dem Freund und entdeckt dabei dessen Familiengeheimnis. Es ist weniger Robert Williams’ eher klassische Themenwahl als vielmehr sein Erzählstil, der den Jugendroman hervorstechen lässt. »Williams verzichtet in seinem Drama auf theatralische Momente. Er erzählt feinfühlig und packt langsam die Geschichte wie ein spannendes Geschenk aus. Er beleuchtet mit geschliffenen Sätzen die vielen Schattierungen des Lebens: Die idealen Lösungen gibt es nicht immer, aber schon mal einen überraschenden Neuanfang«, urteilte Maren Schürmann in »DerWesten« 2011.
Obwohl er nach eigener Aussage einen Wohnsitz in einer Stadt am Meer vorziehen würde, lebt Robert Williams heute in Manchester.

© internationales literaturfestival berlin

[http://www.lukeandjon.co.uk]

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